Die letzten Schritte bis zur großen Aufführung
Die Ballettschule stellt sich vor
von Ann-Kristin Müller
Die letzten Schritte bis zur großen Aufführung – Die Ballettschule stellt sich vor Es ist wieder soweit: Wie in jedem zweiten Jahr präsentiert sich die Ballettschule des HAMBURG BALLETT am 15. Mai auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper. Aus diesem Anlass starten wir eine kleine Blog-Reihe, in der wir die letzten Probeschritte der Ballettschule bis hin zu ihren ersten Schritten auf der großen Bühne begleiten.
Während die Compagnie des HAMBURG BALLETT sich noch auf Gastspielreise in Moskau befindet, herrscht im Ballettzentrum Hamburg – John Neumeier ein reges Treiben. Die Ausbildungs- und Theaterklassen der Ballettschule haben sich zur Probe ihres Abendprogramms »Erste Schritte« zusammengefunden. Als ich den Ballettsaal betrete, tanzt eine kleine Gruppe der Schüler den von den Lehrern choreografierten Napoleonmarsch, während sich der Großteil der Gruppe aufwärmt und munter unterhält. Jedem Einzelnen steht die Vorfreude ins Gesicht geschrieben. Die lockere Stimmung lässt nicht im Geringsten darauf schließen, dass heute in einer Woche noch 2 Stunden bis zur Aufführung verbleiben.
Um 18:15 betritt Demis Volpi den Saal. Das junge Ensemblemitglied des Stuttgarter Balletts studiert seine Choreografie »Karneval der Tiere« nach dem großen Erfolg mit der John Cranko Schule in Stuttgart aktuell in Hamburg ein. Als er energisch in die Hände klatscht, kehrt Stille ein. Schnell huschen die langen oder kurzen Beine der Tänzer an ihren Platz und eine aufregende Reise beginnt. Ein kleiner Junge in rotem Schlafanzug läuft in die Mitte des Ballettsaales – einen regenbogenfarbenen Teddybären im Arm. Sein lautes Lachen durchdringt den Raum und hallt in meinem Kopf noch nach, als er längst am Rand der »Bühne« in einen tiefen Schlaf gefallen ist. Als die Musik einsetzt, füllt sich der Raum erneut mit Leben. Was eben noch die Jungs und Mädchen der Ballettschule waren, ist nun die energiegeladene Interpretation einer bunten Tierwelt.
Mit eleganten Sprüngen kreuzt eine Horde Antilopen den Raum, während eine Schildkröte sich langsam und schwerfällig vorankämpft. Ein Trio Elefanten stampft gutmütig und dabei ganz leicht auf der Stelle. Der Anblick der drei Jungs durchbricht die Anspannung der Tänzer und lässt alle im Raum Anwesenden für einen kurzen Moment schmunzeln. Boxende Kängurus und mehr als ein Kuckuck im Wald füllen den schlichten Ballettsaal mit Emotionen. Demis Volpi konstruiert in seiner Choreografie nicht einfach Tierbilder. Er greift die Musik geschickt auf und setzt sie in natürliche Bewegungen um. So sind weder Kostüme noch Maske von Nöten, um sich in der Traumwelt des kleinen Jungen zu verlieren.
Während der Probe spricht der junge Choreograf einzelne Schüler an, korrigiert und motiviert sie. Aber auch untereinander unterstützen sich alle kräftig. Berührungsängste gibt es nicht; Veränderungen müssen von den jungen Tänzern in kürzester Zeit verinnerlicht werden. Die tänzerische Spannung zieht sich bis zum letzten getanzten Moment. Und sie bleibt bestehen: »Noch 6 Proben bis zur Aufführung!«, hallt es am Ende der Probe durch den Ballettsaal »Petipa«. Auf dem Boden sitzen die Schülerinnen und Schüler der Ballettschule. Ihre Augen glänzen.