Der Vorhang hebt sich bereits zum 49. Mal, traditionell ist es deshalb noch lange nicht: Das Berliner Theatertreffen feiert auch 2012 die interessantesten Inszenierungen der vergangenen Saison in deutscher Sprache. Eröffnet wurde in diesem Jahr mit der unbequemen Sarah Kane Trilogie “Gesäubert/Gier/4.48 Psychose” der Münchner Kammerspiele:
Erste Schritte III
Das Küken kämpft sich aus dem Ei
von Ann-Kristin Müller
Langsam erlischt das Licht im großen Saal der Hamburgischen Staatsoper. Die Ränge sind gefüllt mit gespannten Eltern und Geschwisterkindern. John Neumeier sitzt an einem Tisch in der Mitte des Zuschauerraumes, um ihn herum Fotografen und Kamerateams. Ein Gefühl von Anspannung durchdringt jeden Zentimeter des Saales. Die öffentliche Generalprobe der Schulaufführung »Erste Schritte« beginnt.
Leises Trippeln klingt von der Bühne her in den Zuschauerraum. Wenn man genau hinhört bleibt einem auch das Getuschel der Ballettschüler durch den Vorhang hindurch nicht verborgen. So ruhig wie im Zuschauerraum jeder auf die freie Sicht auf die Bühne wartet, so groß wird das Durcheinander in den Köpfen der Kinder hinter der Bühne sein. Generalprobe – das bedeutet die letzte Probe vor der großen Premiere. Wird alles gut gehen? Als sich der Vorhang öffnet und die Schülerinnen und Schüler ihre ersten Schritte auf der großen Bühne wagen wendet keiner den Blick auf die Bühne auch nur für einen Moment ab.
Bunte Farbspiele, fantasievolle Kostüme, Trommeln und Kastagnetten erfüllen den Raum mit einem kleinen Zauber und reduzieren mein Blickfeld, trotz der pausenlos klickenden Kameras der Fotografen, auf die Fläche der Bühne. Intensive Töne wechseln sich ab mit traditionellen Gewändern und ergreifen den Raum in all seinen Dimensionen. Von Choreografie zu Choreografie zeigen die jungen Tänzer in den unterschiedlichsten Ausdrucksformen des Tanzes, was sie gelernt haben und werden dafür am Ende jedes Stückes mit lautstarkem Applaus belohnt. Wie die erfolgreichen Tänzer der Compagnie des HAMBURG BALLETT verbeugen sie sich stolz und können ihre erleichterten Grinsen im Licht der Scheinwerfer nicht verbergen.
Durch das bunt choreografierte Programm führen die Ausbildungsklassen I bis VI sowie die Theaterklassen VII und VIII mit einer vorbildlichen Souveränität. Jeder kleine Fehler wird gekonnt überspielt und mit einem Lächeln im Gesicht wird weitergetanzt. Als sich der Vorhang zur Pause schließt geht John Neumeier auf die Bühne. Die kleinen Fehltritte werden verbessert und einzelne Passagen der Choreografien wiederholt. Mit großem Engagement nutzen die Schüler ihre Fehler und versuchen sich mit jedem Schritt zu verbesserm. Vielleicht sind sie über die Fehler aber sogar ein wenig froh, denn eine Generalprobe mit Fehlern verspricht ja bekanntlich eine gute Premiere.
Als sich das Programm schon beinahe dem Ende zuwendet, tauschen John Neumeier und Demis Volpi den Platz. Was folgt ist tatsächlich der Höhepunkt eines von Höhepunkten durchdrungenen Abends. Das Klicken der Kameras erreicht im Aufeinandertreffen der traumhaft kreierten Formen, Farben und Figuren seinen Klimax. Und mit fröhlicher Musik und einem Haufen von Federn schlüpfen sie endlich: Die Küken der Zweiten Ausbildungsklasse zwängen sich aus ihren zarten Eierschalen und gehen, tapsig aber bestimmt, – ihre »Ersten Schritte«.
Erste Schritte II
von Ann-Kristin Müller
»Ich weiß nicht wie ich rennen soll!« – Der verzweifelte Ruf eines Elefanten tönt durch die Gänge der Ballettschule – John Neumeier. Langsam setzt der Dickhäuter seine grauen, schrumpeligen Beine voreinander, Schritt für Schritt. Und mit jedem Schritt fällt das Gehen leichter. Dafür sorgen ein paar ganz und gar nicht grau und schrumpelig aussehende Maskenbildnerinnen. Mit schnellen Handgriffen ziehen und zupfen sie an den massigen Falten des Elefanten. Bald wird auch das Rennen kein Problem mehr sein.
Im Ballettzentrum Hamburg - John Neumeier sind die wilden Tiere los. Oder zumindest beinahe. Die Schülerinnen und Schüler der Ballettschule haben Kostümanprobe für ihre große Aufführung am kommenden Dienstag. Die Aufregung ist in jedem Gang des Ballettzentrums zu spüren. Kann ich mit dem Kostüm überhaupt noch tanzen? Sitzt alles richtig? Sehe ich jetzt nicht total albern aus? Fragen über Fragen, die die Kinder an diesem Nachmittag beschäftigen. Eins ist jedoch sicher: Der von Demis Volpi choreografierte »Karneval der Tiere« hat sich aus dem Ballettsaal »Petipa« auf das gesamte Ballettzentrum ausgebreitet.
Sie flattern, stampfen und kriechen durch alle Flure und Etagen: Kängurus, Elefanten, Löwen und Schildkröten. Einer nach dem anderen schlüpft in die schönen Stoffe und Gewänder und damit in eine neue Rolle. Eine Gruppe Kängurus mit großen, roten Boxhandschuhen und ebenso farbigen Schuhen trippelt flink auf der Stelle und flitzen von Raum zu Raum. Egal wo man sich gerade aufhält, die lebendigen, fröhlichen Tiere bleiben einem hartnäckig auf den Fersen. Während die Mädchen selbstbewusst posieren und die Kostüme der anderen Tänzerinnen bewundern, albern die Jungs herum. Sie übertreiben jede Geste und testen so den Bewegungsspielraum in ihrer neuen Haut geschickt aus.
Als ich, beeindruckt von all den Formen und Farben, den Anproberaum verlasse und mich nicht entscheiden kann, welches der Kostüme mir nun am besten gefallen soll, stolpere ich im Treppenhaus über einen Wagen – beladen mit Eiern. Elegant geschwungen und mit feinen Stoffen verziert liegen sie dort. Still und alleingelassen. In ihrer Schlichtheit und der Ruhe die um sie herum herrscht scheinen sie als würde sie ein Geheimnis hüten, dass nicht enthüllt werden soll. Noch nicht. Bis zur Generalprobe am Montag müssen noch einige Schritte mit den Kostümen getanzt – und einige Schalen durchbrochen werden.
Erste Schritte
Die letzten Schritte bis zur großen Aufführung
Die Ballettschule stellt sich vor
von Ann-Kristin Müller
Die letzten Schritte bis zur großen Aufführung – Die Ballettschule stellt sich vor Es ist wieder soweit: Wie in jedem zweiten Jahr präsentiert sich die Ballettschule des HAMBURG BALLETT am 15. Mai auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper. Aus diesem Anlass starten wir eine kleine Blog-Reihe, in der wir die letzten Probeschritte der Ballettschule bis hin zu ihren ersten Schritten auf der großen Bühne begleiten.
Während die Compagnie des HAMBURG BALLETT sich noch auf Gastspielreise in Moskau befindet, herrscht im Ballettzentrum Hamburg – John Neumeier ein reges Treiben. Die Ausbildungs- und Theaterklassen der Ballettschule haben sich zur Probe ihres Abendprogramms »Erste Schritte« zusammengefunden. Als ich den Ballettsaal betrete, tanzt eine kleine Gruppe der Schüler den von den Lehrern choreografierten Napoleonmarsch, während sich der Großteil der Gruppe aufwärmt und munter unterhält. Jedem Einzelnen steht die Vorfreude ins Gesicht geschrieben. Die lockere Stimmung lässt nicht im Geringsten darauf schließen, dass heute in einer Woche noch 2 Stunden bis zur Aufführung verbleiben.
Um 18:15 betritt Demis Volpi den Saal. Das junge Ensemblemitglied des Stuttgarter Balletts studiert seine Choreografie »Karneval der Tiere« nach dem großen Erfolg mit der John Cranko Schule in Stuttgart aktuell in Hamburg ein. Als er energisch in die Hände klatscht, kehrt Stille ein. Schnell huschen die langen oder kurzen Beine der Tänzer an ihren Platz und eine aufregende Reise beginnt. Ein kleiner Junge in rotem Schlafanzug läuft in die Mitte des Ballettsaales – einen regenbogenfarbenen Teddybären im Arm. Sein lautes Lachen durchdringt den Raum und hallt in meinem Kopf noch nach, als er längst am Rand der »Bühne« in einen tiefen Schlaf gefallen ist. Als die Musik einsetzt, füllt sich der Raum erneut mit Leben. Was eben noch die Jungs und Mädchen der Ballettschule waren, ist nun die energiegeladene Interpretation einer bunten Tierwelt.
Mit eleganten Sprüngen kreuzt eine Horde Antilopen den Raum, während eine Schildkröte sich langsam und schwerfällig vorankämpft. Ein Trio Elefanten stampft gutmütig und dabei ganz leicht auf der Stelle. Der Anblick der drei Jungs durchbricht die Anspannung der Tänzer und lässt alle im Raum Anwesenden für einen kurzen Moment schmunzeln. Boxende Kängurus und mehr als ein Kuckuck im Wald füllen den schlichten Ballettsaal mit Emotionen. Demis Volpi konstruiert in seiner Choreografie nicht einfach Tierbilder. Er greift die Musik geschickt auf und setzt sie in natürliche Bewegungen um. So sind weder Kostüme noch Maske von Nöten, um sich in der Traumwelt des kleinen Jungen zu verlieren.
Während der Probe spricht der junge Choreograf einzelne Schüler an, korrigiert und motiviert sie. Aber auch untereinander unterstützen sich alle kräftig. Berührungsängste gibt es nicht; Veränderungen müssen von den jungen Tänzern in kürzester Zeit verinnerlicht werden. Die tänzerische Spannung zieht sich bis zum letzten getanzten Moment. Und sie bleibt bestehen: »Noch 6 Proben bis zur Aufführung!«, hallt es am Ende der Probe durch den Ballettsaal »Petipa«. Auf dem Boden sitzen die Schülerinnen und Schüler der Ballettschule. Ihre Augen glänzen.
Die Metamorphose der kleinen Meerjungfrau
von Ann-Kristin Müller
15.30 Uhr. In einem kleinen Raum in der Hamburgischen Staatsoper werden drei Frauen Teil einer Verwandlung. Angespannt und dabei ganz leicht geht sie vor sich, als plötzlich eine Art Mikrowellengeräusch ertönt. Verwundert blicke ich mich um. Ein Paar Spitzenschuhe liegt in einem großen Haartrockner. »Thats my shoes!« Hélène lacht.
Heute, am Mittwochabend, wird zum zweiten Mal nach der Wiederaufnahme »Die kleine Meerjungfrau« in der Hamburgischen Staatsoper aufgeführt. Seit der Premiere in Hamburg, im Juli 2007, hat sich die kleine Meerjungfrau viele Male auf der Bühne zum Menschen verwandelt. Eine Verwandlung, die Unmengen an Kraft fordert und zugleich in tänzerische Leichtigkeit übertragen werden soll. Damit die Meerjungfrau auf der Bühne ihre rauschenden Bewegungen zu denen eines einsamen Mädchens werden lassen kann, muss vor der Aufführung hinter der Bühne ein Mensch zur Meerjungfrau werden.
Drei Stunden vor Beginn der Vorstellung treffe ich Hélène Bouchet, erste Solistin des HAMBURG BALLETT, in einem kleinen Raum, voll mit Make Up, Lippenstiften, Wimperntusche und Perückenmodellen. Entspannt bewegt sie sich in dem Raum und niemand hier ist in so hektischer Stimmung, wie ich es mir vor einer so großen Aufführung ausgemahlt hatte. Das Grau der Flure und Treppenhäuser, die ich auf dem Weg hierher hinter mir gelassen habe, sind wie verflogen. Bei Hélène ist Lydia Hauser, gelernte Maskenbildnerin des HAMBURG BALLETT. Sie ist für die Solistinnen des HAMBURG BALLETT zuständig, macht ihnen die Haare, knüpft alle Perücken und Haarteile selbst. Sie ist dabei, wenn sich die Tänzerinnen auf ihren großen Auftritt vorbereiten.
Als sich Hélène vor einen großen Spiegel setzt, beginnt die Metamorphose. Ganz langsam geht sie los. Zunächst verliert ihr Haar an Volumen, wird streng am Kopf zusammengebunden. Lydia und sie sind perfekt aufeinander eingespielt. Als Lydia eine Krone mit Haarteilen in Hélènes Haar steckt, ergänzt sich jeder Handgriff der beiden. Eine unglaubliche Gelassenheit und Ruhe geht von ihnen aus. Ich frage mich, wie das bei all dem Druck, der als Solistin auf einem haften muss, möglich ist.
»Ich komme immer sehr früh hier in die Maske. Ich nehme mir viel Zeit mich für die Bühne fertig zu machen und kann so sichergehen, dass alles seine Ordnung hat. Die Zeit in der Maske hilft mir bei meiner Verwandlung. Sie hilft mir zu verstehen, dass ich für die nächsten paar Stunden keine Frau mehr bin. Dadurch werde ich zur Meerjungfrau.«
Die Maske für die »Kleine Meerjungfrau« ist aufwendiger als bei den meisten anderen Ballettstücken. Denn sie dient der Tänzerin nicht nur als Hilfestellung sich in die Rolle der Meerjungfrau hineinzuversetzen. Wie bei einer Art Ritual hilft der Aufenthalt in der Maske Hélène zur Ruhe zu kommen und sich Schritt für Schritt der Wasserkreatur zu nähern. »Wenn ich in die Maske komme, fange ich an, mir über meine Rolle Gedanken zu machen. Ich denke an das Ballett und gerate langsam in eine andere Welt.« Angst, sich hinter der Maske zu verlieren hat die Französin jedoch nicht. »Natürlich muss ich die Meerjungfrau verstehen, um ihre Rolle zu tanzen. Die Maske erleichtert mir das. Trotzdem bleibe ich ein Teil des Ganzen, der seine Gefühle in die Rolle hinein projiziert. Ich denke, auf der Bühne bin ich Mensch und Kreatur gleichzeitig.«
Mittlerweile ist Hélène aufgestanden, um mit Hilfe einer großen Palette an Theaterfarben und Lidschatten ihr Gesicht zu verwandeln. Mit kritischem Blick zieht sie akkurate blaue Linien über ihr weiß geschminktes Gesicht. »Wie alle anderen Tänzerinnen schminkt sie sich selbst. Da sind die Frauen etwas selbstständiger als die Tänzer«, erzählt Lydia. Während wir uns unterhalten, lässt sich Hélène nicht ablenken. Sie ist völlig auf ihr Spiegelbild fixiert, welches ein Wesen zeigt, das mit dem Element Erde nur noch wenig gemein hat. Nur ihre feinen Bewegungen lassen die Tänzerin in ihr vermuten. Als sie fertig ist frage ich sie, ob sie auf der Bühne nicht um ihre Maske besorgt ist. »Wenn ich tanze vergesse ich, dass ich eine Maske trage. Ich vergesse alles um mich. Manchmal hebe ich meinen Arm in einer Bewegung und plötzlich merke ich, dass da eine Krone in meinem Haar sitzt. Das Stück fordert soviel von mir, dass ich nach einer Weile noch nicht einmal mehr sehe. Erst am Ende, wenn alles vorbei ist, fange ich wieder an zu denken.« Hélène ist fertig und die anderen Tänzerinnen kommen, um sich für das Stück vorzubereiten. Zeit für sie, sich zum Aufwärmen zurückzuziehen und für mich, zu gehen.
19.30 Uhr. Im großen Saal der Hamburgischen Staatsoper werden über 1600 Menschen Teil einer Verwandlung. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich tatsächlich glauben, dass Hélène in ihren so fließenden und andersartigen Bewegungen auf der Bühne erst zum Menschen wird. Der Applaus am Ende des Stücks kennt kein Ende. Hélène strahlt.
Junge Choreografen II: Blick hinter die Kulissen
Am 27. und 28. März gastieren die »Jungen Choreografen« des HAMBURG BALLETT erneut am Deutschen Schauspielhaus. Wir starten eine kleine Blog-Reihe und begleiten sie auf ihrem Weg zur Premiere in zwei Wochen. Ein Einblick in die erlebnisreiche Zeit der Proben bis hin zum fertigen Stück.
von Daniela Rothensee
Es ist Mittwoch der 14. März, 13.30 Uhr. Noch zwei Wochen bis zur Premiere der »Jungen Choreografen« im Deutschen Schauspielhaus am 27. März. Im Ballettsaal »Petipa« besuche ich eine Probe von Constant Vigier zu seinem Stück »3×2 für M & M«. Der Franzose hat unlängst seinen 21. Geburtstag gefeiert. Seit 2011 tanzt er als Aspirant im Ensemble des HAMBURG BALLETT. Gerade zeigt er seinem Kollegen Marcelino Libao eine Hebung für ein Pas de deux – ohne Partnerin eine kniffelige Unternehmung, wie sich beim ersten Versuch zeigt. »Where’s her leg again?« Marcelinos Hand weiß im luftleeren Raum nicht recht wohin. Constant versucht ihm den Frauenpart zu vermitteln, indem er selbst sich kurzerhand in seine Arme wirft. Am Rande des Saales liegt ihre Kollegin Xue Lin auf dem Rücken, die Oberschenkel zum Stretch eng an den Bauch gezogen. Die ulkigen Versuche der beiden amüsieren sie. Ab und zu lässt sie ihr helles Lachen erklingen. »Xue, could you please come and do it?« ruft Constant sie. Mit konkreter Frau im Arm tanzt es sich gleich besser.
Constant Vigier zeigt Priscilla Tselikova seine Choreografie © Silvano Ballone
In der Zwischenzeit sind auch die restlichen Tänzer erschienen, die in Constants Choreografie mitwirken: die Australierin Priscilla Tselikova, Yun-Su Park aus Korea und der Spanier Aleix Martinez. Sie alle sind Gruppentänzer beim HAMBURG BALLETT. Constants Landsmann Thomas Stuhrmann, der sechste im Bunde, ist bei dieser Probe nicht dabei. Lücken sind charakteristisch für den Probenalltag der »Jungen Choreografen«. Sie sind zu zehnt und müssen sich die Tänzer des Ensembles untereinander teilen. Für die Einstudierungen müssen sie ihre Nische finden zwischen den Proben der Compagnie und den Aufführungen in der Staatsoper. Für alle bedeuten die »Jungen Choreografen« zusätzlichen Aufwand zum regulären Tagespensum, trotzdem sind sie alle mit Herzblut bei der Sache.
Yun-Su Park bei einer Probe für die »Jungen Choreografen« © Silvano Ballone
Die drei Paare im Ballettsaal »Petipa« probieren bereits einen ersten Durchlauf mit Musik. Zu Klavierklängen von Mendelssohn und Klarinettenmelodien von Mozart bewegen sie sich in fließenden Bewegungen durch den Raum. »Das würde man vom Stil her jetzt neoklassizistisch nennen«, erklärt mir Alban Pinet, der sich neben mich gesetzt hat. »Und die Bewegungen sind alle miteinander verbunden, kaum Staccato«. Alban Pinet ist selbst ein »Junger Choreograf« und in diesem Jahr mit der internen Organisation der Reihe betraut. Gerade hat er mit Solistin Yuka Oishi Schritte seiner Choreografie »Vor dem Gesetz« geübt: »Es war eine Einzelprobe. Meine restlichen Tänzer sind ja hier bei Constant im Einsatz«, lacht er. Und mit Einsatz wird weitergeübt: damit am 27. und 28. März im Schauspielhaus jeder Schritt sitzt.
Bernd Klein – Technischer Leiter
verfasst von Anna Schwan
Manchmal fühle ich mich in China wie im Film „Lost in Translation“. Es ist nicht einfach, die Bühne für die Ballette aufzubauen und die Technik zum Funktionieren zu bringen, ohne ein Wort Chinesisch zu sprechen. Natürlich haben wir Übersetzer, die uns helfen. Aber da geht viel Kommunikation verloren. Ein Bühnenaufbau dauert deshalb hier viel länger, als in Hamburg. Im Beijing war es besonders schwer überzubringen, was wir wollten. Denn nicht nur die Sprache, auch die Art der Kommunikation ist bei uns ganz anderes, viel direkter. Das hat schonmal zu weinenden Übersetzerinnen geführt. Damit muss man erstmal umgehen können.