1899, Bayer, HSV, Bayern: Offensivmut wird belohnt

Die Fußball-Bundesliga legt eine „Englische Woche” ein und spielte am Dienstag und Mittwoch den zehnten Spieltag aus. Dabei zeigte das Phänomen 1899 Hoffenheim Stabilität und gewann beim VfL Bochum verdient mit 3:1. Die Hoffenheimer mussten einem Rückstand hinterherlaufen, wurden in der ersten Halbzeit von Bochum hart bekämpft. Doch in der zweiten Hälfte setzte sich die große offensive Klasse des Aufsteigers durch, womit die Hoffenheimer nach einem Drittel der Saison wohl zum Kreis der Meisterschaftsanwärter gezählt werden können. Das dämmert langsam auch Trainer Ralf Rangnick, der nach dem Spiel von einer wichtigen Lektion in der Weiterbildung seiner Mannschaft sprach.

Etwas überraschend ist auch Bayer Leverkusen in den Titelaspirantenkreis hineingestoßen. Die Rheinländer scheinen durch ihren neuen Trainer Bruno Labbadia förmlich wiedererweckt zu sein, nachdem sie unter Vorgänger Michael Skibbe den Anschluss an Deutschlands Spitzenklubs zu verlieren schienen.

Der frühere Stürmer Labbadia setzt auf Offensivfußball und hat mit Nationalstürmer Patrick Helmes den aktuell zweitbesten Bundesligatorjäger in seinen Reihen. Weitere Spieler wie Stefan Kießling, Theofanis Gekas oder Renato Augusto tragen zur geballten Offensivpower der Leverkusener bei. Beleg dafür war der verdiente 2:0-Sieg bei Werder Bremen.

Dass Offensive derzeit „in” ist, demonstrieren auch der Hamburger SV und Bayern München. Die neuen Trainern, Martin Jol und Jürgen Klinsmann, sind dabei, den Stil ihrer Mannschaften komplett zu verändern. Anders als noch in der letzten Saison wird die Maxime vom schönen und erfolgreichen Fußball betont. Das gelingt zwar nicht jede Woche, doch beide Vereine gehen diesen Weg durchaus erfolgreich. Der HSV war zwischenzeitlich schon Tabellenführer, aktuell bedeutet das 2:0 gegen Stuttgart Rang drei. Die Bayern machen den schwachen Saisonstart vergessen und sind nach dem 2:1 in Frankfurt Vierter. Bester Spieler: Offenisvzauberer Franck Ribéry.

Offensivkraft wird bereits am Wochenende bei Hoffenheim, Leverkusen, Hamburg und München wieder gefragt sein, dann steht der elfte Spieltag der Fußball-Bundesliga an. Der Gegner wird garantiert wieder „Beton anmischen”.

 StR

Die Ergebnisse des 10. Spieltags im Überblick:

 Werder Bremen – Bayer Leverkusen 0:2

VfL Wolfsburg – Borussia Mönchengladbach 3:0

Karlsruher SC – FC Schalke 04 0:3

Arminia Bielefeld – Energie Cottbus 1:1

Hamburger SV – VfB Stuttgart 2:0

Eintracht Frankfurt – Bayern München 1:2

Hertha BSC – Hannover 96 3:0

VfL Bochum – 1899 Hoffenheim 1:3

1. FC Köln – Borussia Dortmund 0:1

 

Tabelle

 1 1899 Hoffenheim 22 P

2 Bayer Leverkusen 21 P

3 Hamburger SV 20 P

4 Bayern München 18 P

5 Hertha BSC Berlin 18 P

6 FC Schalke 04 17 P

7 Borussia Dortmund 17 P

8 VfL Wolfsburg 16 P

9 VfB Stuttgart 16 P

10 Werder Bremen 13 P

11 1. FC Köln 13 P

12 Eintracht Frankfurt 9 P

13 Karlsruher SC 9 P

14 Hannover 96 9 P

15 Arminia Bielefeld 8 P

16 VfL Bochum 7 P

17 Borussia Mönchengladbach 7 P

18 Energie Cottbus 6 P

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A comic book adventure in the Bundesliga

There’s a small village that defies its detractors time and time again. A group that fights off its foes with relative ease and great enjoyment. Yet this village uses magic potion to help them out. And the village in question exists only in comics. But now there’s a real – possibly more entertaining – version. A small village of 3,300 inhabitants, who against all expectations now sit at the top of the Bundesliga.

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Vom Wettkampf der Worte und tierischen Überraschungen

Nach den ganzen Partys und Empfängen der Verlage erwartet man am dritten Tag der Buchmesse in viele übermüdete Gesichter von Verlegern, Autoren, Lektoren und Buchagenten zu blicken. Doch wahrscheinlich gilt für viele die Parole “Durchhalten!”. Vielleicht zeigt sich bei dem einen oder anderen aber auch schon erste Erleichterung – die 60. Buchmesse geht in den Endspurt. Heute sind die Fachbesucher noch einmal unter sich.  Letzte Chance also auch für mich, einen etwas ruhigeren Abstecher zur Messe zu machen, bevor sie am Samstag und Sonntag zum Abschluss vermutlich einen großen öffentlichen Publikumsansturm erlebt.    

Viel los ist um die Mittagszeit im Lesezelt auf dem Freigelände der Messe. Normalerweise stellen Autoren hier ihre Neuerscheinungen vor, erzählen in Gesprächsrunden über ihre Bücher. Gerade aber verfolgt das Publikum im Lesezelt einen besonderen literarischen Wettkampf. Es ist die Stunde des Poetry Slam – Wortakrobatik, bei der selbst gedichtete Texte in einer bestimmten Zeit vorgetragen werden.  Mit wilder Gestik und Mimik brüllt einer der Teilnehmer regelrecht sein Liebesgedicht ins Mikrofon. Ein enttäuschter Liebhaber vielleicht? Deutlich feinfühliger ist da schon der nächste Poetry-Slam, der mit viel Witz den griechischen Sagenhelden Herakles an der neunköpfigen Hydra verzweifeln lässt. Das Publikum lacht und applaudiert. Von der Jury bekommt der Teilnehmer aus Berlin eine hohe Wertung.  

Auf meinem Weg ins Internationale Zentrum komme ich am Signierzelt vorbei – und traue meinen Augen nicht. Eigentlich sitzen hier mehr oder weniger bekannte Autoren und signieren ihre Bücher. Jetzt aber scheint die Buchmesse auf den Hund gekommen. Ein Mops namens Sir Henry bittet nebst Frauchen Uschi Ackermann, einer Society-Lady aus München, zur Autogrammstunde. Eigentlich haben Tiere auf der Buchmesse nichts verloren. Auch für Mops Sir Henry ging es lange um die Wurst, sein umstrittener Auftritt auf der Buchmesse sorgte für Schlagzeilen. Heute nun konnte Sir Henry seinen Buch “Hier schreibt der Mops” endlich vorstellen. Die Mops-Welt atmet vermutlich auf, und ich frage mich, welche tierischen Ratgeber die Verlage im nächsten Jahr womöglich ins Signierzelt schleppen.   

Jetzt aber auf ins “Internationale Zentrum”, dort ist “Afrika Tag” – und von wilden Tiere glücklicherweise keine Rede. Etwas mehr literarische Ernsthaftigkeit tut jetzt auch gut. Die Veranstaltungen des Zentrums in Halle 5 sind eine Kooperation der Buchmesse, des Goethe-Instituts und des Auswärtigen Amts. Den Auftakt des Schwerpunktes Afrika an diesem Freitag macht eine Diskussionsrunde mit den Autorinnen Virginia Phiri aus Simbabwe und Zoë Wicomb aus Südafrika sowie dem deutschen Autor und Afrikakenner Hans-Christoph Buch. “Literarische Blicke auf Afrika” heißt die Veranstaltung.

Und dabei fällt mir ein, dass ich noch zwei Bücher empfehlen wollte, in denen das Ausland auf Deutschland blickt. Was sagt man eigentlich in Togo, Uganda, Italien, Schweden oder China über Deutschland und die Deutschen? “Piefkes, Krauts und andere Deutsche – Was die Welt von uns hält” heißt das Buch, in dem die beiden Autoren Andrea und Martin Schöb dieser Frage nachgegangen sind. In ihrem unterhaltsam und informativ geschriebenen Text- und Bildband ergründen sie auf 192 Seiten, wie England zum deutschen Humor steht, was die Franzosen von der deutschen Küche halten, was die beliebtesten Mitbringsel sind oder welches Image deutsche Urlauber haben.  

Die deutschen Liebenswürdigkeiten und Macken hat sich auch Ben Donald vorgenommen. In seinem Reise-Lesebuch “Deutschland for Beginners” beschreibt der Journalist mit einem Augenzwinkern unser Land. Und spart weder an schwarzem britischem Humor noch an deftigem deutschen Witz, wenn er sich mit der deutschen Philosophie des Nacktbadens vertraut macht, der deutschen Romantik in Heidelberg nachgeht oder sich auf dem Oktoberfest zum Weißwurst-Essen verführen lässt. “Das derzeit wohl euphorischste und witzigste Deutschland-Buch”, lautet das Fazit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Einer Empfehlung, der man wohl folgen kann. Viel Spaß bei der Lektüre der beiden Bücher!

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Buch 2.0 oder die digitale Welt des Lesens

Sieht so die Zukunft des Buches aus? Habe ich heute eines der Geräte in der Hand gehabt, welches die Verlagswelt umtreiben und das Lesen revolutionieren wird? Am Tag 2 der Buchmesse will ich mehr über das Thema E-Books erfahren, das in diesen Tagen in Frankfurt die Branche beschäftigt. Schon ein Blick ins Buchmesse-Programm lässt schnell erkennen: An Diskussionen und Präsentationen zu den neuen elektronischen Lesegeräten für Bücher mangelt es nicht. Im Börsenblattcafé hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Veranstaltung zum Thema “Digitaler Lesezauber – Wie E-Books unsere Lesegewohnheiten verändern” angekündigt. Ein paar Stände weiter versucht das “Forum Zukunft” eine “Annäherung an das neue Buch – E-Books im Blick”, während das “Forum Wissenschaft” zwei Etagen höher schon etwas provokanter fragt: “E-Books: Fluch oder Segen… für wen?”

Was würde wohl Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, über diese digitale Weiterentwicklung des Buches sagen? Lange darüber zu spekulieren hilft nicht. Da schaue ich lieber in Halle 4 beim Börsenverein vorbei, der sich heute als Sprachrohr der Buchbranche in Deutschland versteht. Große Berührungsängste hat man hier nicht mit der neuen Technik und präsentiert gleich mehrere E-Book-Modelle, die Hersteller dem Börsenverein für die Messe ausgeliehen haben.

Leider gehört Amazons digitales Lesegrät “Kindle”, das sich in den USA in knapp einem Jahr auf dem Markt  rund 30.000 Mal verkauft hat, nicht dazu. Der Konzern hat den Pionier der zweiten E-Book-Generation am Mittwoch zwar auf der Messe für den deutschen Markt vorgestellt, sagt mir ein Mitarbeiter des Börsenvereins, ist dann aber ohne eine Testversion zurückzulassen wieder abgezogen.

Was soll’s, inspiziere ich eben seine elektronischen Artgenossen. Flach, wenige Hundert Gramm schwer und etwa so groß wie ein Taschenbuch ist das schwarze E-Book von irextechnologies. Wirklich schön ist anders, denke ich mir, aber wahrscheinlich wird der Technikfreak das individuelle Buchcover nicht vermissen. Der Hersteller aus den Niederlanden jedenfalls wirbt mit einer gewaltigen Speicherkapazität von bis zu 10.000 E-Books. Gewaltig ist auch der Preis: Rund 500 Euro sind nicht wenig. Mein erster Eindruck: ein spektakulär unspektakuläres Gerät. Auf dem grau-weißen Display erscheint ein gut lesbarer Text. Blättern funktioniert per Tastendruck. Deutlich kompakter und von der Form her wie ein Mobiltelefon ist ein zweites E-Book, das die Firma Polymer Visions, ebenfalls aus den Niederlanden, dem Börsenverein hinterlassen hat. Der Clou: ein faltbares Display, quasi die moderne Form antiker Schriftrollen.

In der Buchbranche selbst sind die Stimmen zu den E-Books geteilt. Der Börsenverein sieht sie als Chance, ebenso bekannte Autoren wie der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk. Andere wiederum fragen sich schon verängstigt, ob mit der Digitalisierung den Verlagen das Schicksal der Musikindustrie droht. Gut möglich, dass der Marktanteil der E-Books nach und nach auf bis zu 25 Prozent, so lauten offensive Prognosen, steigt. Vielleicht ändert sich am Ende aber gar nicht so viel für die Verlage. Denn ein Buch ist ein Buch, braucht keine Batterie und ist seit rund 500 Jahre eine bewährte “Technik”, die nicht gleich wieder von gestern ist.  

Nach der Begegnung mit dem E-Book lautet mein Fazit: Auf das Buch 2.0 kann ich getrost noch warten. Mein Bücherregal werde ich bestimmt so schnell nicht ausrangieren. 

Lesetipp: Der Autor macht den Test – Hans Magnus Enzensberger und seine E-Book-Erfahrung

Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Begegnung mit dem Ehrengast

Heute morgen war es endlich so weit: Die 60. Frankfurter Buchmesse öffnete für Buchhändler, Verleger, Schriftsteller und das andere Fachpublikum ihre Tore. Und damit ist auch der Zeitpunkt gekommen, sich auf dem Messegeände auf Spurensuche zu begeben nach dem Ehrengast 2008, der Türkei.

“Bütün Renkleriyle Türkiye” – “Fazinierend Farbig” heißt das Motto, mit dem der türkische Gast vom Bosporus an den Main gekommen ist. Sein buntes Buchmesse-Logo, das vielfach zu sehen ist,  muss ich mir zunächst genauer betrachten. Erst dann blicke ich durch, erkenne darin den Schriftzug “Turkey”, der in ein offenes Labyrinth eingebettet ist, das symbolisch für das vielfarbige, reiche und Jahrhunderte alte kulturelle Erbe der heutigen Republik Türkei steht.

A propos Labyrinth: Auch wenn man durch die Messehallen läuft, kommt man sich manchmal wie in einem Labyrinth voller Bücher und Verlagsstände vor. Wer das Gastland sucht, begegnet der türkischen Kultur auf der Agora, der Freifläche zwischen den Messehallen, zunächst einmal ganz ohne Bücher. Im Agora-Zelt geht es eher künstlerisch-kulinarisch zu. An einem Stand reicht mir jemand Baklava, das typische türkische Gepäck aus Blätterteig, gefüllt mit Walnüssen, Mandeln oder Pistazien. Nebenan duftet frischer türkischer Kaffee, während in einem kleinen Atelier Künstler an traditionellen Kunstverfahren wie der Kalligraphie und der Buchrestauration arbeiten. 

In Halle 5.0 schließlich schlägt das internationale Herz der Buchmesse. Hier präsentieren sich die ausländischen Verlage der Buchmesse – von A wie Albanien über G wie Ghana bis U wie Usbekistan.  Hier bin ich auch richtig, wenn ich das Gastland und seine Verlage suche. Rund 100 Verlage und 350 Autoren wollen in Frankfurt ihre Bücher vorstellen.

Buchmesse, das seien hastig durch die Messehallen eilende Verleger, Buchhändler oder Autoren, hatte ich gelesen. Doch an diesem Vormittag ist davon nicht wirklich etwas zu spüren. Eher ruhig und unaufgeregt laufen die Gespräche und das Geschäftemachen an den Verlagsständen.  Einzige Ausnahme: der Stand der größten türkischen Tageszeitung Hürriyet. Hier hat sich eine große Menschentraube gebildet, TV-Kameras sind zu sehen, Fotoapparate blitzen auf. Was hat es mit dem Trubel auf sich? Ein berühmter Schriftsteller vielleicht? 

Nicht ganz. Gerade ist hier eine deutsch-türkische Buchpräsentation zu Ende gegangen. Die beiden Journalisten Kai Diekmann, Chefredakteur des deutschen Boulevard-Blatts “Bild” und sein Kollege Ertugrul Özkök von der türkischen Zeitung Hürriyet haben ihr gemeinsames Buch ”Süper Freunde – Was Türken und Deutsche sich wirklich zusagen haben” vorgestellt. Dafür die ganze Aufregung? Egal, ein paar jungen Türken gefällt’s; sie lassen sich schnell noch mit Buch-Herausgeber Diekmann fotografieren. Es wird sicher ein süper Erinnerungsfoto.

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