Sieht so die Zukunft des Buches aus? Habe ich heute eines der Geräte in der Hand gehabt, welches die Verlagswelt umtreiben und das Lesen revolutionieren wird? Am Tag 2 der Buchmesse will ich mehr über das Thema E-Books erfahren, das in diesen Tagen in Frankfurt die Branche beschäftigt. Schon ein Blick ins Buchmesse-Programm lässt schnell erkennen: An Diskussionen und Präsentationen zu den neuen elektronischen Lesegeräten für Bücher mangelt es nicht. Im Börsenblattcafé hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Veranstaltung zum Thema “Digitaler Lesezauber – Wie E-Books unsere Lesegewohnheiten verändern” angekündigt. Ein paar Stände weiter versucht das “Forum Zukunft” eine “Annäherung an das neue Buch – E-Books im Blick”, während das “Forum Wissenschaft” zwei Etagen höher schon etwas provokanter fragt: “E-Books: Fluch oder Segen… für wen?”
Was würde wohl Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, über diese digitale Weiterentwicklung des Buches sagen? Lange darüber zu spekulieren hilft nicht. Da schaue ich lieber in Halle 4 beim Börsenverein vorbei, der sich heute als Sprachrohr der Buchbranche in Deutschland versteht. Große Berührungsängste hat man hier nicht mit der neuen Technik und präsentiert gleich mehrere E-Book-Modelle, die Hersteller dem Börsenverein für die Messe ausgeliehen haben.
Leider gehört Amazons digitales Lesegrät “Kindle”, das sich in den USA in knapp einem Jahr auf dem Markt rund 30.000 Mal verkauft hat, nicht dazu. Der Konzern hat den Pionier der zweiten E-Book-Generation am Mittwoch zwar auf der Messe für den deutschen Markt vorgestellt, sagt mir ein Mitarbeiter des Börsenvereins, ist dann aber ohne eine Testversion zurückzulassen wieder abgezogen.
Was soll’s, inspiziere ich eben seine elektronischen Artgenossen. Flach, wenige Hundert Gramm schwer und etwa so groß wie ein Taschenbuch ist das schwarze E-Book von irextechnologies. Wirklich schön ist anders, denke ich mir, aber wahrscheinlich wird der Technikfreak das individuelle Buchcover nicht vermissen. Der Hersteller aus den Niederlanden jedenfalls wirbt mit einer gewaltigen Speicherkapazität von bis zu 10.000 E-Books. Gewaltig ist auch der Preis: Rund 500 Euro sind nicht wenig. Mein erster Eindruck: ein spektakulär unspektakuläres Gerät. Auf dem grau-weißen Display erscheint ein gut lesbarer Text. Blättern funktioniert per Tastendruck. Deutlich kompakter und von der Form her wie ein Mobiltelefon ist ein zweites E-Book, das die Firma Polymer Visions, ebenfalls aus den Niederlanden, dem Börsenverein hinterlassen hat. Der Clou: ein faltbares Display, quasi die moderne Form antiker Schriftrollen.
In der Buchbranche selbst sind die Stimmen zu den E-Books geteilt. Der Börsenverein sieht sie als Chance, ebenso bekannte Autoren wie der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk. Andere wiederum fragen sich schon verängstigt, ob mit der Digitalisierung den Verlagen das Schicksal der Musikindustrie droht. Gut möglich, dass der Marktanteil der E-Books nach und nach auf bis zu 25 Prozent, so lauten offensive Prognosen, steigt. Vielleicht ändert sich am Ende aber gar nicht so viel für die Verlage. Denn ein Buch ist ein Buch, braucht keine Batterie und ist seit rund 500 Jahre eine bewährte “Technik”, die nicht gleich wieder von gestern ist.
Nach der Begegnung mit dem E-Book lautet mein Fazit: Auf das Buch 2.0 kann ich getrost noch warten. Mein Bücherregal werde ich bestimmt so schnell nicht ausrangieren.
Lesetipp: Der Autor macht den Test – Hans Magnus Enzensberger und seine E-Book-Erfahrung
