Wer mit wem in der neuen Saison?

Man sollte ja meinen, vier Spieltage vor Saisonende würden sich die Mannschaften der Fußball-Bundesliga voll auf das Erreichen ihrer Ziele, auf Titelentscheidung und Abstiegskampf konzentrieren. Doch weit gefehlt. Stattdessen wird ein munteres „Trainerwechseldich“-Spiel angezettelt. Spielorte sind Wolfsburg, München, Hoffenheim und Schalke. Mutmaßungen und Hypothesen sind die Gesprächsthemen, fußballerische Fakten und Ergebnisse stehen im Hintergrund.

Beispiel Wolfsburg: Der VfL steht souverän auf Tabellenplatz 1. Die erste Meisterschaft in der Vereinsgeschichte ist greifbar. Herbstmeister Hoffenheim wurde gerade 4:0 weggehauen. Immer mehr Verfolger verlieren an Boden (Berlin, Stuttgart, Hamburg). Und der Trainer Felix Magath? Streitet im Hintergrund um noch mehr Geld und noch mehr Einfluss, bereitet heimlich seinen Abschied Richtung Schalke vor, nährt so Spekulationen und steht in Wolfsburg vor dem Rausschmiss. Auch Schalke zeigt sich ob der Trainerdiskussion nicht beflügelt und verliert das Heimspiel gegen Leverkusen 1:2.

Beispiel München: Die Bayern machten ja schon letzte Woche „Tabula Rasa“. Jürgen Klinsmann vor die Tür gesetzt, Jupp Heynckes als Hoffnungsträger verpflichtet, der nun den Champions League-Platz sichern soll. Plötzlich sieht man in München schon „einen europaweiten Trend, auf erfahrene Trainerpersönlichkeiten zu setzen“ (Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge) und möchte Louis van Gaal aus Alkmaar verpflichten. Der flog vor Jahren in Barcelona raus, weil er die Nachwuchsabteilung vernachlässigte. Und dort lässt nun ein 38-jähriger Novize namens Guardiola den schönsten Fußball des Kontinents spielen. Ach ja, Bayern gewann gegen Möchengladbach mühsam 2:1. Das hätte Klinsmann auch geschafft. Doch der ist möglicherweise schon auf dem Weg zu einer neuen Anstellung…

Beispiel Hoffenheim: Wie war das schön. Wie Phoenix hinaufgestiegen aus der zweiten Liga bis in den Siebten Himmel namens Herbstmeisterschaft. Vom kleinen Provinzaschenputtel zur strahlenden Bundesligaprinzessin. Und jetzt? Schlechteste Rückrundenmannschaft. 0:4 in Wolfsburg. Die Spieler überfordert, der Trainer stänkert, der Mäzen vergrätzt. Trainer Ralf Rangnick lässt via Presse verlauten, er könne sich nicht mit Mittelmaß identifizieren und fordert zehn Millionen Euro für Neuverpflichtungen. „Ich lasse mich nicht erpressen!“, schallte es daraufhin von Milliardär Dietmar Hopp. Und schon ist die Verbindung gezogen zu Jürgen Klinsmann. Der ist nämlich ein guter Bekannter von Hopp. Da werden zehn Millionen aber nicht reichen. Die kassiert mit Sicherheit allein schon der geschäftstüchtige Ex-Bayerntrainer.

In anderen Vereinen sind es weniger die Führungsriegen als vielmehr die Fans, die für Nebenkriegsschauplätze sorgen. Frankfurt und die Anti-Funkel-Stimmung als Stichwort. Oder Bochum zum Beispiel. Dort schreien die Anhänger lieber Trainer Marcel Koller und seine Spieler nieder als die Mannschaft im schwierigen Abstiegskampf zu unterstützen. Nach der 0:2-Niederlage gegen Hannover steht Bochum noch zwei Punkte vor dem Relegationsplatz. Demnächst folgt wieder der obligatorische Sitzstreik vor dem Mannschaftsbus. Wird gerne nach verlorenen Auswärtsspielen medienwirksam inszeniert. Wahlweise mit den Schlachtrufen „Scheiß Millionäre!“ oder „Wir haben die Schnauze voll!“. Mein Tipp: Beim nächsten Spiel in Berlin ist es für Bochum so weit.

StR

Die Ergebnisse des 30. Spieltags im Überblick:

VfL Bochum  -  Hannover 96 0:2
Arminia Bielefeld  -  VfB Stuttgart 2:2
FC Schalke 04  -  Bayer Leverkusen 1:2
Eintracht Frankfurt  -  Borussia Dortmund 0:2  
Karlsruher SC  -  Energie Cottbus 0:0 
Bayern München  -  Borussia Mönchengladbach 2:1  
VfL Wolfsburg  -  1899 Hoffenheim 4:0  
1. FC Köln  -  Werder Bremen 1:0   
Hamburger SV  -  Hertha BSC Berlin 1:1  

Tabelle:

1 VfL Wolfsburg     60 P
2 Bayern München   57 P
3 Hertha BSC Berlin     56 P
4 VfB Stuttgart   55 P
5 Hamburger SV     55 P
6 Borussia Dortmund     52 P
7 FC Schalke 04      49 P
8 Bayer Leverkusen    45 P
9 1899 Hoffenheim   45 P
10 Werder Bremen    39 P
11 1. FC Köln   35 P
12 Hannover 96    35 P
13 Eintracht Frankfurt     32 P
14 VfL Bochum    28 P
15 Energie Cottbus    27 P
16 Arminia Bielefeld     26 P
17 Borussia Mönchengladbach    24 P
18 Karlsruher SC    23 P

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