Das psychologische Problem

Fußball ist immer auch Psychologie. Zum Leitwesen von Wolfsburg, Hamburg und Mario Gomez

Von Stefan Reichart

Noch ist es nicht soweit, der VfL Wolfsburg steht auch nach dem 31. Spieltag an der Spitze der Tabelle der Fußball-Bundesliga. Doch die Anzeichen mehren sich, dass der Absturz kommt. 1:4 in Stuttgart verlor der VfL und damit das sichere Punktepolster auf die Verfolger. Zum siebten Mal in Folge konnte die gleiche Startelf ins Rennen geschickt werden, doch diesmal versagten die Spieler, die zuvor noch von Sieg zu Sieg geeilt waren. Ich behaupte: Zu verantworten hat dies Felix Magath.

Das unsägliche Wechselgerangel der vergangenen Woche, das Hin und Her zwischen Wolfsburg und Schalke, hat die Spieler unsicher gemacht, lässt sie nicht mehr über sich hinauswachsen. Lässt sie nicht mehr glauben, dass sie mehr sind als die Summe der Einzelspieler. Lässt sie nicht mehr den Druck des Gejagten aushalten. Im Fußball steckt viel Psychologie. Und so gut Magath die Psyche seiner Spieler in den letzten Wochen gestreichelt hatte so mies behandelt er sie jetzt.

Natürlich fragt sich nun jeder Spieler, warum der Trainer ein erfolgreiches Team verlässt und nicht die Chance Champions League zu spielen ergreift. Und wenn der Wunschtrainer geht, der die Spieler geformt hatte, dann wollen auch die Spieler gehen. Am liebsten mit ihrem Trainer oder sie folgen jedem anderen Lockruf, der sie aus Europa ereilt. Denn an Angeboten wird es den Dzekos und Grafites nicht mangeln und der Hauptgrund in Wolfsburg zu bleiben verabschiedet sich nun nach Schalke.

Wolfsburg wird von der Tabelle stürzen. Mal sehen, wie weit es nach unten geht. Vielleicht in Gefilde, in denen der Hamburger SV schon angekommen ist.

Ei, was waren das für freudige Hamburger vor vier Wochen. Damals, als sie an der Alster noch von Meisterschaft, Pokalsieg und Uefa-Cup-Erfolg träumten. Doch dann kamen die bösen Bremer. Vier Spiele HSV gegen Werder genügten, um das Hamburger Traumschloss in sich zusammenstürzen zu lassen. Titellos, mutlos, kraftlos, vom Nordrivalen ausgelacht, liegt der Bundesligadino nun am Boden. Mit 0:2 gedemütigt von einer Bremer Rumpfelf, geht dem HSV, wie in den letzten Jahren immer, auf der Zielgerade die Luft aus. Und Trainer Martin Jol sucht verzweifelt nach dem psychologischen Weckruf für seine lethargischen Profis.

Dass es drei Spieltage vor Schluss auch psychologische Gewinner gibt zeigen Dortmund und Stuttgart. Aus dem Niemandsland der Tabelle hinaufgestiegen bis in die Top-Five kann Dortmund vom internationalen Geschäft träumen und Stuttgart gar von der Meisterschaft. Und würde Stuttgarts Mario Gomez (im Spiel gegen Wolfsburg alle vier Tore erzielt) mal in der Nationalmannschaft so spielen wie im Verein, dann wäre Deutschland letztes Jahr Europameister geworden. Doch da hat der halt ein psychologisches Problem.

Wie ist Ihre Meinung zur Bundesliga, zu Wolfsburg, Magath, Hamburg und Mario Gomez? Teilen Sie uns diese doch in einem Kommentar zu diesem Beitrag mit.

Die Ergebnisse des 31. Spieltags im Überblick:

Bayer Leverkusen  -  Arminia Bielefeld 2:2  
Energie Cottbus  -  Bayern München 1:3 
VfB Stuttgart  -  VfL Wolfsburg 4:1 
Hannover 96  -  Eintracht Frankfurt 1:1  
Borussia Dortmund  -  Karlsruher SC 4:0  
Hertha BSC Berlin  -  VfL Bochum 2:0 
1899 Hoffenheim  -  1. FC Köln 2:0 
Borussia Mönchengladbach  -  FC Schalke 04 1:0  
Werder Bremen  -  Hamburger SV 2:0 

Tabelle

1 VfL Wolfsburg    60 P
2 Bayern München    60 P
3 Hertha BSC Berlin     59 P
4 VfB Stuttgart      58 P
5 Borussia Dortmund      55 P
6 Hamburger SV     55 P
7 FC Schalke 04    49 P
8 1899 Hoffenheim 48 P
9 Bayer Leverkusen     46 P
10 Werder Bremen     42 P
11 Hannover 96     36 P
12 1. FC Köln   35 P
13 Eintracht Frankfurt     33 P
14 VfL Bochum     28 P
15 Borussia Mönchengladbach    27 P
16 Arminia Bielefeld    27 P
17 Energie Cottbus      27 P
18 Karlsruher SC   23 P

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