Sind Sie Unternehmer? Leidet Ihr Unternehmen gerade unter einer Krise? Dann kaufen Sie sich doch einfach mal einen neuen Mitarbeiter ein. So für 25 Millionen Euro. Irgendeiner, der bei der Konkurrenz auf der Abschussliste steht, den Kollegen in Ihrem Unternehmen aber gehörig Dampf macht und Spaß vermittelt.
So geschehen bei Bayern München. Dort war nach dem schwachen Saisonstart mit keinem Sieg aus drei Spielen die Krise ausgebrochen. Ein Heilsbringer musste her. Wie gut, dass Real Madrid gerade kräftig seinen Kader ausmistet. Aus dem angebotenen Holland-Trio Sneijder, van der Vaart, Robben entschied sich die Bayern-Führungsriege für letzteren. Schlappe 25 Millionen kostete der Transfer für, keine Frage, einen Weltklassestürmer.
Dass er das ist, bewies Robben gleich beim ersten Auftritt in der Bundesliga, am vierten Spieltag. Nach seiner Einwechslung wirbelte er den VfL Wolfsburg derart durcheinander, dass der zufrieden sein konnte, nur mit 0:3 nach Hause geschickt worden zu sein. Robben brachte auch Franck Ribéry die Spielfreude zurück. Denn bislang litt der Franzose als einziger Ballvirtuose unter dem üblen Rumpelfußball seiner Mannschaftskollegen. Jetzt hat er einen kongenialen Partner und die Bayern die erhoffte geballte Offensivkraft.
Robben wird auch der Bundesliga insgesamt gut tun. Denn der fehlte nach dem Weggang von Diego (von Bremen nach Turin) eine Attraktion. Diese ist Robben in jedem Fall. Doch ob sich das langfristig auch für die Titelambitionen des Rekordmeisters auszahlt? Böse Zungen behaupten ja schon, Robben sei verpflichtet worden, damit Ribéry Manndecker spielen könne. Und in der Tat drückt die Bayern der Schuh vor allem in der Innenverteidigung. Diese ist vielleicht Meisterschafts-, keinesfalls aber Champions League-tauglich. Oder können Sie sich vorstellen, wie van Buyten, Badstuber und Braafheid einen Messi, Ibrahimovic, Ronaldo oder Rooney stoppen? Außerdem befeuert die Robbenverpflichtung die Systemfrage des FC Bayern. Spielt Trainer van Gaal künftig mit zwei Außenstürmern Robben und Ribéry und nur einem echten Mittelstürmer? Dann werden aus dem Trio Mario Gomez, Luca Toni und Miroslav Klose jedes Wochenende zwei auf der Bank Platz nehmen müssen. Das wird für Unruhe sorgen.
Doch vorerst haben sich die Münchner aus der Krise geschossen. Dank Arjen Robben – der neuen, tollen Bundesligaattraktion.
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