Philipp Lahm und der Preis der Wahrheit

Endlich hat ein Spieler von Bayern München den Mut gehabt, den Vereinsverantwortlichen im Vorstand mal die Wahrheit über ihre Personalpolitik der letzten Jahre zu sagen. Philipp Lahm brachte es in einem Interview mit der „SZ“ am letzten Wochenende auf den Punkt: “Vereine wie Manchester oder Barcelona geben ein System vor – und dann kauft man Personal für dieses System. So etwas gibt es bei uns nicht: Dass der Verein etwas vorgibt und alles darauf aufgebaut wird.” Recht hat er. Welcher europäische Großverein außer den Bayern leistet sich noch ein solches Personalchaos wie der Großklub aus der bayerischen Landeshauptstadt? Real Madrid vielleicht noch – zugegeben. Aber sonst keiner.

Da wird mit Mario Gomes ein Stürmer für 30 Millionen Euro gekauft, der ganz klar in einem 4-4-2-System mit zwei Stürmern spielen muss. Dann aber kurz darauf die Kehrtwende. Arjen Robben ist zu bekommen. Natürlich ein absoluter Weltklassestürmer, aber eben einer, der im 4-3-3-System mit zwei echten Außenstürmern und nur einem zentralen Mittelstürmer sich am wohlsten fühlt. Ergebnis: Die Bayern haben mit Miroslav Klose, Mario Gomez und Luca Toni ein Überangebot im Sturmzentrum, sind aber auf den Außenpositionen mit Ribéry, Robben und Olic nur dünn besetzt. Die drei sind aktuell verletzt, der Trainer Louis van Gaal muss das System wieder ändern, doch Gomez und große Teile der Mannschaft sind längst verunsichert. Resultat: In der Bundesliga nur Rang 8, in der Champions League nach zwei Niederlagen gegen Bordeaux vor dem Aus.

Die Anzahl der prominenten Personalirrtürmer ist groß beim FC Bayern. Lukas Podolski ist da nur der letzte in einer langen Liste der Missverständnisse. Auch die Torwartnachfolge von Oliver Kahn lösten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß noch längst nicht zufriedenstellend. Rensing sollte der beste deutsche Torwart nach Kahn werden. Er war es genau ein halbes Jahr, dann sägte ihn schon Ex-Trainer Jürgen Klinsmann ab. Vertreter Hans-Jörg Butt wurde zum Notnagel. Ein (Manuel) „Neuer“ war nicht zu bekommen und so steht bis heute Butt im Tor. Und apropos Klinsmann, auch die Trainer werden bei Bayern gerne rochiert. „Die Ära Klinsmann“ war ausgerufen. Doch schon nach einem halben Jahr der Salto rückwärts und den lieben Jupp Heynckes geholt. Da weiß man wenigstens, was einen erwartet und bekommt nicht alles umgekrempelt. Ähnlich war es mal bei Felix Magath. Den haben Hoeneß und Rummenigge alsbald durch seinen Vorgänger Ottmar Hitzfeld ersetzt. Hätte ja sein können, dass Magath mal grundlegend was ändert am Machtgeflecht der Bayern-Vorstandsbosse. Magath ging dann nach Wolfsburg, wurde dort Trainer-Manager und am Ende Meister.

Wie gesagt, es ließe sich noch eine lange Liste der Schlaudraffs, Baumjohanns, Görlitz’, Pranjics, Braafheids und Co. schreiben. Eines aber ist sicher. Michael Ballack wusste schon ganz genau, warum der 2006 unbedingt zu einem wirklichen europäischen Topverein wechseln wollte. Er ging zu Chelsea. Man kann Philipp Lahm nur wünschen, dass er den gleichen Weg einschlägt. Der Preis für seinen Mut zur Wahrheit übrigens: 50.000 Euro Strafe – vom Vorstand festgesetzt.

Wie ist Ihre Meinung zur Bundesliga oder zu Bayern München? Schreiben Sie uns einen Kommentar in unseren Blog unter http://blog.magazine-deutschland.de/

Die Ergebnisse vom 12. Spieltag der Fußball-Bundesliga im Überblick:

Bayer Leverkusen   -  Eintracht Frankfurt  4:0  
Bayern München   -  FC Schalke 04  1:1 
1899 Hoffenheim   -  VfL Wolfsburg  1:2 
VfL Bochum   -  SC Freiburg  1:2 
Borussia Mönchengladbach   -  VfB Stuttgart  0:0 
1. FSV Mainz 05   -  1. FC Nürnberg  1:0 
Hannover 96   -  Hamburger SV  2:2
Hertha BSC Berlin  -  1. FC Köln  0:1
Werder Bremen   -  Borussia Dortmund  1:1

Tabelle
1   Bayer Leverkusen     26 P
2   Werder Bremen   23 P
3   Hamburger SV       23 P
4   FC Schalke 04      22 P
5   VfL Wolfsburg    21 P
6   1. FSV Mainz 05 21 P
7   1899 Hoffenheim      20 P
8   Bayern München      20 P
9   Borussia Dortmund       17 P
10   Hannover 96      16 P
11   Eintracht Frankfurt       16 P
12   SC Freiburg 13 P
13   1. FC Köln       12 P
14   Borussia Mönchengladbach     12 P
15   VfB Stuttgart       10 P
16   1. FC Nürnberg   9 P
17   VfL Bochum    8 P
18   Hertha BSC Berlin     4 P

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“Gebrauchte Tage” in der Bundesliga

 

Es gibt Tage, an denen sollte man besser im Bett bleiben. Nicht aufstehen. Morgens den Kaffee auf die Hose geschüttet, bei der Fahrt zur Arbeit ein Auto gerammt, vom Chef einen Rüffel bekommen, ohne Schirm in den Herbststurm geraten – alles gute Gründe, einen Tag als Reinfall zu bezeichnen. Tage, wie sie Maik Franz von der Frankfurter Eintracht als „gebrauchte Tage” bezeichnet.

Franz erlebte in dieser Woche ein Desaster beim Pokalspiel der Eintracht gegen Bayern München. Nach indiskutabler Mannschaftsleistung hieß es am Ende 0:4 und Franz hatte drei Tore verschuldet.

Besser sollte es gegen den VfL Bochum am 11. Spieltag der Fußball-Bundesliga laufen. Die Eintracht brauchte einen Sieg, um nicht Richtung Abstiegszone zu rutschen. Die Mannschaft ging auch 1:0 in Führung. Doch dann kam Maik Franz und traf ins eigene Tor. Eine gute Flanke fälschte er unglücklich ins eigene Tor ab. Seine Reaktion war klar: Er wäre am liebsten im Stadionrasen versunken. Doch weil das nicht geht und der Trainer Michael Skibbe ihn nicht auswechselte und Maik Franz auch keiner ist der aufgibt, spielte er weiter – und erzielte in der zweiten Hälfte den Siegtreffer. Happy End!

Einen „gebrauchten Tag” hat auch der Hamburger SV angedreht bekommen. Gegen das Mittelmaßteam Mönchengladbach kassierten die Hamburger die erste Saisonniederlage und verpassten den Sprung an die Tabellenspitze, die nach dem 2:2-Unentschieden von Leverkusen bei Schalke 04 möglich gewesen wäre.

Die Schalker wiederum erweisen sich als Team mit großer Kämpfernatur. Bereits zum zweiten Mal innnerhalb einer Woche holten sie noch einen 0:2-Rückstand auf. Schon am zehnten Spieltag konnte gegen den HSV ein 0:2- und 2:3-Rückstand wettgemacht werden. Positive spielerische Entwicklungen in Zeiten großer finanzieller Nöte der Schalker mit kolportieren 100 Millionen Euro Schulden.

Wie ist Ihre Meinung zur Bundesliga oder zur Frankfurter Eintracht? Schreiben Sie uns einen Kommentar in unseren Blog unter http://blog.magazine-deutschland.de/

Die Ergebnisse vom 11. Spieltag der Fußball-Bundesliga im Überblick:

Borussia Dortmund – Hertha BSC 2:0

VfL Wolfsburg – 1. FSV Mainz 05 3:3

VfB Stuttgart – Bayern München 0:0

Hamburger SV – Borussia Mönchengladbach 2:3

1. FC Köln – Hannover 96 0:1

1. FC Nürnberg – Werder Bremen 2:2

FC Schalke 04 – Bayer Leverkusen 2:2

SC Freiburg – 1899 Hoffenheim 0:1

Eintracht Frankfurt – VfL Bochum 2:1

Tabelle

1 Bayer Leverkusen 23 P

2 Werder Bremen 22 P

3 Hamburger SV 22 P

4 FC Schalke 04 21 P

5 1899 Hoffenheim 20 P

6 Bayern München 19 P

7 VfL Wolfsburg 18 P

8 1. FSV Mainz 05 18 P

9 Eintracht Frankfurt 16 P

10 Borussia Dortmund 16 P

11 Hannover 96 15 P

12 Borussia Mönchengladbach 11 P

13 SC Freiburg 10 P

14 VfB Stuttgart 9 P

15 1. FC Köln 9 P

16 1. FC Nürnberg 9 P

17 VfL Bochum 8 P

18 Hertha BSC Berlin 4 P

 

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