ispo – Sport & Style: Alles in Bewegung


Joachim Schirrmacher berichtet über den immer größeren Einfluss, die der Sport auf die Mode hat, stellt den ispo Career Day und den European Fashion Award FASH 2010 vor.

Super Winter, super Stimmung. So einfach ist die Erfolgsformel für die weltgrößte Sportartikelmesse ispo (www.ispo.com). Der seit sechs Wochen andauernde strenge Winter (nach 13 Jahren war der Hamburger Stadtsee wieder zugefroren!) ließ die Kassen in ganz Deutschland klingeln. Dabei wurde im Wintersportgeschäft im letzten Jahr schon 20 Prozent mehr Umsatz gemacht. Alle Modemagazine, alle Trendprognosen sind sich einig: Sport ist im Trend. Zum einen als Ausgleich dafür, dass wir fast nur – nahezu reglos – vor dem Computer hocken. Schwimmen, Rad fahren oder laufen – da schnurrt die ganze Komplexität des Lebens zusammen. Der Sportlook greift immer mehr im Alltag um sich. „Alles in Bewegung“, kommentierte denn auch die deutsche Fachzeitschrift Textilwirtschaft. Sie meinte allerdings das sich radikal verändernde Geschäft der Mode. Alles Klassische und Elegante scheint vorbei, alles, was von der Straße und aus dem Sport kommt, ist angesagt. Das gilt nicht nur für 25-Jährige, sondern auch für 66-Jährige, die sich kleiden wie 40-Jährige, wie eine Fotostrecke im Magazin Brigitte Woman zeigt. Dieser Klartext ist selten in der Modewelt.

Was bedeutet dies für die Zukunft der einst größten Modemesse der Welt, der CPD, die zeitgleich mit der ispo stattfindet? Für die Profis heißt es in diesen Tagen sich zu entscheiden: Modemesse in Düsseldorf oder Sport in München?

Ich fahre nach München und hoffe, dass die Sportbranche besser Funktion und Fashion unter ein Hut kriegt. Bisher verstehen nur sehr wenige Unternehmen, wie viel Emotion in ihrer Branche steckt. Das erstaunt umso mehr, da ein Großteil der Leute in dieser Branche arbeitet, weil sie ihr Hobby zum Beruf machten. Doch anders als vor zwei Wochen in Berlin, gibt es in München weniger Party und Glamour. Nicht mal der Anbieter von “functional equipment” Fjäll Räven mag seinen 50. Geburtstag zünftig feiern. Langweilig wird es dennoch nicht. Zum einen ist das Messegelände riesig, zum anderen gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Die wichtigsten Highlights:

Immer wichtiger wird das Eco-Thema. Im 7Skygreenroom, stellen sich innerhalb der board_ispo Marken wie Zimtstern oder Umweltvorreiter Patagonia vor, die mit verringertem Energie- und Ressourcenaufwand Sporttextilien produzieren. Das Umweltengagement der Hersteller wird an einem Rating-System gemessen, das anhand verschiedener Umweltzertifikate für Bekleidung entwickelt wurde.

Oliver Kahn, der erfolgreichste deutsche Torhüter aller Zeiten (Welttorhüter des Jahres 1999, 2001, 2002, 86 Spiele der Deutschen Nationalmannschaft, 141 Spiele im Europapokal und in der Champions League), wird mit dem ispo-Pokal für seine Nachwuchsförderung geehrt. Man sollte meinen, der Fußballer, der 2008 seine Karriere beendete, sollte dafür Zeit haben, schließlich wurden vor ihm Max Schmeling (1972), Pele (Brasilien, 1983), Franz Beckenbauer (1990), Eddy Merckx (Belgien, 1993) oder Li Ning (China, 2001) ausgezeichnet. Doch er fliegt nach Asien wo er Jurymitglied der TV-Casting-Show „I never give up – the Kahn principle” ist. Also werden wir beim Dinner in der Gobelin Hall des Lehnbach Hauses alleine das 4-Gang Menü verspeisen müssen. Neben Oliver Kahn werden viele weitere Prominente Sportler erwartet: Philipp Lahm der Tennisprofi Nicolas Kiefer der Abenteurer und Kletterer Stefan Glowacz oder die Biathletin Uschi Disl.

Besonders freue ich mich auf den Filmregisseur Josef Vilsmeier. Er hat das Buch „Schlafes Bruder“ verfilmt. Eine Geschichte die so phantastisch ist, dass man sie eigentlich nicht verfilmen kann. Auf der ispo stellt er bei Salewa den Film Nanga Parbat vor. Er handelt von einer Expedition der Bergsteiger Reinhold und Günther Messner, bei dem Günther ums Leben kam.

Um den Nachwuchs geht es auch beim ispo Career Day. Hier hat, anders als bei der ispo selber, jeder Zutritt. Dort können sich Studenten, Freiberufler und Young-Professionals um ihre berufliche Zukunft in der Sportbranche kümmern. 50 Praktika, Traineestellen und Abschlussarbeiten sollen vergeben werden. Dahinter stecken die ehemaligen Geschäftsführer von Chiemsee, Dietmar Damith und Florian Steinberger, die jetzt für den Headhunter sport INVEST search arbeiten.

In den USA sind viele Unternehmen stolz, wenn ihr Sales-Stuff ein 24h-Training bekommt. In Deutschland ist der Beruf des Verkäufers ein 24-monatiger Ausbildungsberuf. Für die Azubis, wie sie kurz genannt werden, gibt es das ispo trainee project. Rund 250 Azubis aus Deutschland, Österreich und der Schweiz lernen am 10. Februar in Fachvorträgen und Workshops wie eine Messe funktioniert.

Joachim Schirrmacher lebt und arbeitet in Hamburg als Berater und Journalist für Mode und Design.

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