“Haach de Klicker in’s Goal enei!” – der Fußball-Bundesliga-Blog: 22. Spieltag
“Haach de Klicker in’s Goal enei!”, hat mein Trainer immer zu mir gesagt. So einfach ist Fußball. “Hau den Ball ins Tor hinein!” Oder hat Ihrer statt dessen gesagt: “Sauf am Abend vor dem Spiel nicht so viel.”? Wahrscheinlich ist das einer der meist gebrauchten Sprüche im Fußball. Zumindest in den unteren Amateurligen der Altersklasse 18plus. Und da spielen ja nun mal die meisten Fußballer. Mit Sicherheit wäre dieser Trainerwunsch auch am vergangenen Wochenende wieder überall in Deutschland zu hören gewesen, wenn zwischen Roter Stern Flensburg im Norden und FC Phönix München im Süden nicht gerade Fastnacht wäre und die Spielansetzer nicht in weiser Voraussicht dieses Volksbesäufnis ohnehin für Amateure spielfrei belassen hätten.
Grund zum Saufen hatte in dieser Woche in jedem Fall Manfred Amerell. Und das nicht wegen Fastnacht. Mehr will ich dazu nicht schreiben. Die Schiedsrichter-Affäre des DFB verdrängte das Thema Bundestrainer-Vertragsverlängerung von den Titelseiten der Boulevardblätter. Joachim Löw und Theo Zwanziger wird’s recht gewesen sein. Fakt ist aber, dass nur im Fall einer erfolgreichen Weltmeisterschaft das Duo Löw-Bierhoff für die Nationalmannschaft verantwortlich bleiben wird. Ansonsten war’s das dann. Die Nationalspieler hätten einen, vor zehn Tagen kurzfristig im Raum stehenden sofortigen Rücktritt Löws mit Sicherheit bedauert. Allen voran Thomas Hitzlsperger.

Warum? Quer durch Europa haben Nationalspieler, die Gefahr liefen auf Grund eines fehlenden Vereinsstammplatzes ihre WM-Nominierung zu verlieren, Hals über Kopf kurz vor Ende der Wechselfrist im Januar den Verein gewechselt. In der Hoffnung, in einer neuen Mannschaft auch für den Nationaltrainer interessant zu bleiben. Siehe Luca Toni (von Bayern München zu AS Rom), siehe Patrick Vieira (von Inter Mailand zu Manchester City). Auch Thomas Hitzlsperger ist diesen Weg gegangen. Er wurde von Stuttgarts Trainer Christian Gross ausgebootet und sollte nach Saragossa wechseln. Doch der Transfer kam nicht zu Stande. Hitzlsperger hatte richtig erkannt, dass er in einem fremden Land, ohne Sprachkenntnisse, bei einem Krisenklub es schwer haben dürfte, sich einen Stammplatz zu erkämpfen und Spielpraxis zu sammeln. Er lehnte den Transfer ab. Doch Joachim Löw riet ihm, laut Presseberichten, wohl weiterhin zum Wechsel und so nahm Hitzlsperger ein Angebot von Lazio Rom an. Frei nach Andi Möllers Maxime: “Mailand oder Madrid? Egal, Hauptsache Italien.” (Spricht Hitzlsperger besser Italienisch als Spanisch?)
Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Der letzte Verein, zu dem ich wechseln würde, wenn mein Talent für Profifußballer gereicht hätte, wäre Lazio Rom. Faschistischere Fans als die dortigen findet man selten in Europa.
Nun, auch Hitzlsperger hat aus rein fußballerischen Motiven schon gemerkt, zu welchem abstiegsbedrohtem Chaosklub er gewechselt ist. “Wir hätten eine andere Art Mittelfeldspieler gebraucht als Hitzlsperger, einen, der am Ball besser ist”, sagte Trainer Ballardino nach dem ersten Spiel des Deutschen, das Lazio vorvergangenes Wochenende 0:1 verlor. Es war Ballardinos letztes Spiel als Lazio-Trainer. Doch der Neue, Edoardo Reja, ließ Hitzlsperger dann gleich ganz draußen, als die Römer nun in Parma 2:0 gewannen. Scheint so, als war’s das für einen, den sie einst in England “the Hammer” nannten. Klassischer Fall von Karriereknick. Hätte Löw nun in Deutschland hingeschmissen, Hitzlsperger hätte ihn mit Sicherheit verflucht.
Torsten Frings mit Sicherheit nicht. So ist aber der WM-Zug für Frings längst abgefahren. Muss er sich also auf Werder Bremen konzentrieren. Das tat er gut. Denn Bremen hat am letzten Dienstag das Pokalhalbfinale erreicht – schon wieder. Und Bremen gewann auch das Bundesligaduell gegen Hannover 96 gleich mit 5:1. Die Bremer also nach verkorster Hinrunde klar im Aufwind, Hannover strebt dem Abstieg entgegen. Kein Kampf, wenig spielerische Moment, verdiente Niederlage. Mirko Slomka, was hast du dir da angetan?
Spieler des 22. Spieltags war klar Ruud van Nistelrooy. Beim Stand von 1:1 gegen Hitzlspergers ehemalige Stuttgarter für den HSV eingewechselt, brauchte der niederländische Ausnahmestürmer genau zwei Ballkontakte, um in 90 Sekunden zwei Tore für seinen neuen Verein zu erzielen. 3:1 dank Ruud. Die Hamburger gratulieren sich zu ihrem Transfercoup.
Außer dem HSV gewannen auch Leverkusen, Bayern München und Schalke, und damit die Top 4, ihre Spiele. Die Meisterschaft scheint sich erst in den direkten Duellen dieses Quartetts zu entscheiden. Die Bayern konnten einmal mehr auf Arjen Robben und Franck Ribéry zählen. Ribéry bereitete zwei Treffer vor, Robben lieferte eine Vorlage und traf einmal selbst beim 3:1 gegen Dortmund. Leverkusen rang den VfL Wolfsburg 2:1 nieder und Schalke hatte mit wenig karnevalistisch veranlagten Kölnern mehr Probleme als gehofft (2:0).
Genauso wie das Spitzenquartett gewann, blieb das Schlussquartett ohne dreifachen Punktgewinn. Hertha war beim 1:1 gegen Mainz zwar überlegen, doch der Siegtreffer wollte nicht gelingen. Nürnberg fühlte sich beim 1:2 in Mönchengladbach benachteiligt. Elfmeter nicht bekommen, irregulären Gegentreffer kassiert, der Abstieg rückt näher. Freiburg mit Pech 1:2 in Frankfurt. Und Hannover, wie oben beschrieben, indiskutabel. Auch hier fällt die Entscheidung über die Absteiger wohl erst in den direkten Duellen. Und dann wird es für Siege auf jeden Fall heißen müssen: “Haach de Klicker in’s Goal enei!”
(von Stefan Reichart)
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Die Ergebnisse des 22. Spieltags im Überblick:
Borussia Mönchengladbach – 1. FC Nürnberg 2:1
Bayer Leverkusen – VfL Wolfsburg 2:1
VfB Stuttgart – Hamburger SV 1:3
VfL Bochum – 1899 Hoffenheim 2:1
Hannover 96 – Werder Bremen 1:5
Hertha BSC Berlin – 1. FSV Mainz 05 1:1
Bayern München – Borussia Dortmund 3:1
FC Schalke 04 – 1. FC Köln 2:0
Eintracht Frankfurt – SC Freiburg 2:1
Tabelle
1 Bayer Leverkusen 48 P
2 Bayern München 48 P
3 FC Schalke 04 45 P
4 Hamburger SV 39 P
5 Borussia Dortmund 36 P
6 Werder Bremen 34 P
7 Eintracht Frankfurt 34 P
8 1. FSV Mainz 05 31 P
9 1899 Hoffenheim 28 P
10 VfB Stuttgart 28 P
11 Borussia Mönchengladbach 28 P
12 VfL Wolfsburg 25 P
13 1. FC Köln 25 P
14 VfL Bochum 25 P
15 SC Freiburg 19 P
16 Hannover 96 17 P
17 1. FC Nürnberg 16 P
18 Hertha BSC Berlin 12 P



