Die Bayern gewinnen – egal auf welchem Rasen

Haach de Klicker ins Goal enei!“, hat mein Trainer immer zu mir gesagt. So einfach ist Fußball. „Hau den Ball ins Tor hinein!“ Oder hat Ihrer statt dessen gesagt: „Ach, ist der Rasen schön grün.“? Wenn er Gärtner war, vielleicht?


Als Rasen definiert der Wikipedianer „eine Vegetationsdecke aus Gräsern, die durch Wurzeln und Ausläufer mit der Vegetationstragschicht verbunden ist, im Siedlungsgebiet der Menschen liegt und nicht landwirtschaftlich genutzt wird. Rasen findet sich in Gärten, Parks oder Sportanlagen, zum Beispiel in Stadien oder auf Golfplätzen. Er wird meist kurz geschnitten.“ Ah ja, sehr interessant. Hier müssen auch die Verantwortlichen von Bayern München nachgeschlagen haben. Denn die Diskussionen vor dem Bundesliga-Topspiel zwischen dem Tabellenführer Schalke 04 und dem Zweiten Bayern München kreisten nicht etwa um Aufstellungen, Verletzungen und Einstellungen. Nein, besonderes Augenmerk lag auf einer Rasendebatte. Das Schalker Grün in der Arena sollte angeblich nicht spieltauglich sein. Vielleicht war es ja doch eher für landwirtschaftliche Zwecke gesät worden? Dabei kann der Rasen dank modernster Technik doch aus dem Stadion gefahren und außerhalb der muffigen Kampfbahn von frischer Luft und wärmender Sonne gestreichelt werden. Die Bayern legten Beschwerde bei der Deutschen Fußball Liga ein. Doch die erklärte sich für nicht zuständig. Wohl keine Landschaftsgärtner? Nun, Vorgeplänkel. Sinnlos wie immer. Zutreffende Floskel: Die Wahrheit liegt auf’m Platz. Und diese Wahrheit war für alle Schalker bitter.

Hatte man außerhalb der Bayern-Fanszene vor dem 29. Spieltag noch gehofft, die Münchener könnten beim Tabellenführer das Nachsehen haben, so erteilte der FC Bayern dieser Hoffnung eine Abfuhr und ist nun selbst wieder Spitze. Geschichte á la Magath und Wolfsburg wiederholt sich eben doch nicht immer. Der Rekordmeister dominierte das gesamte Spiel. Beflügelt von dem Sieg in der Champions League gegen Manchester und dem Wissen, Schalke vor zehn Tagen im Pokal in Gelsenkirchen geschlagen zu haben, ließen die nimmersatten Titelhamster ihrem Gegner keine Chance. Schalke andererseits war weit von der Galavorstellung entfernt, die es noch vor einer Woche gegen Leverkusen gegeben hatte. Nicht einmal, als die Bayern die gesamte zweite Halbzeit in Unterzahl agieren mussten, fanden die Schalker die Mittel, dem Widersacher noch den Sieg zu entreißen. Die 2:1-Halbzeitführung der Münchener durch Ribéry und Müller (bei einem Gegentreffer von Kuranyi) hatte bis zum Ende bestand. Bayern-Präsident Uli Hoeneß konstatierte am Ende, auf Schalke bezogen, leider mal wieder treffend: „Wenn man gegen zehn Mann in 49 Minuten der zweiten Halbzeit nicht eine Torchance hat, dann darf man nicht deutscher Meister werden.“

Das Spitzenspiel der Liga verstellte etwas den Blick auf andere interessante Duelle, die sich im Schatten der Topbegegnung abspielten. Der Tabellendritte Leverkusen musste beim Überraschungsachten Frankfurt antreten, der mittlerweile nach den internationalen Startplätzen greift. Die Frankfurter scheinen selbst nicht so genau zu wissen, warum sie so weit oben stehen. Merklich verstärkt wurde das Team gegenüber der letzten Saison nicht. Allein Trainer Michael Skibbe lässt offensiver spielen als sein Vorgänger Funkel. Es ist eben wie häufig im Fußball: Hat eine Mannschaft einen Lauf, dann klappt einfach alles. Dann holt man noch einen 1:2-Rückstand auf und ein ungelenker Verteidiger namens Maik Franz schießt am Ende per Fallrückzieher das 3:2. Und klappt einfach nichts, dann verliert man solch ein Spiel und muss wie im Fall Leverkusen befürchten, aus den Champions League-Plätzen geworfen zu werden. Denn Borussia Dortmund naht mit großen Schritten.

Die Dortmunder gewannen das Verfolgerduell um Platz 3 gegen Werder Bremen mit 2:1. Bremen verschlief die erste Halbzeit und schaffte es im zweiten Durchgang nicht mehr, die Führung durch Großkreutz und Subotic zu egalisieren. Schalke und Dortmund in der Champions League? Da wäre das Ruhrgebiet nicht nur kultureller Mittelpunkt Deutschlands 2010.

Hertha BSC Berlin will einfach nicht absteigen. Nachdem der Abgesang auf das Tabellenschlusslicht letzte Woche verklungen ist, gewinnen die Hauptstädter nun wieder; 3:0 in Köln. Da Freiburg und Hannover nicht siegten, ist der Relegationsplatz immer noch in Reichweite und könnte am nächsten Spieltag im heimischen Olympiastadion erklommen werden. Auf sattem, gesunden Grün, im weiten Rund der blauen Laufbahn.

Zwei Anmerkungen noch: Paolo Guerrero ist zurück. Der HSV-Stürmer, den in Peru plötzlich die Flugangst übermannte und der wahrscheinlich wie einst B.A. Baracus in der TV-Serie A-Team nur noch bewusstlos in ein Flugzeug getragen werden konnte, trifft wieder. Leider nur einen Zuschauer mit einer Trinkflasche. Das aber mit voller Absicht und zielgenau. Prognose: Guerrero wird sofort rausgeschmissen, Trainer Labbadia nach der grauenhaften Vorstellung seines Teams gegen Hannover dann zum Saisonende.

Außerdem: Dettmar Cramer wurde am gestrigen Sonntag 85 Jahre alt. Happy Birthday. Das Trainerurgestein war bei verschiedenen Bundesligavereinen tätig, erwarb sich aber vor allem höchsten Respekt durch seine Tätigkeit als Fußball-Entwicklungshelfer weltweit. Dazu ein sinnvoller Wikipedia-Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Dettmar_Cramer_%28Fu%C3%9Fballtrainer%29

(Stefan Reichart)

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Die Ergebnisse des 29. Spieltags im Überblick:
FC Schalke 04 – Bayern München 1:2
Eintracht Frankfurt – Bayer Leverkusen 3:2
Borussia Dortmund – Werder Bremen 2:1
SC Freiburg – VfL Bochum 1:1
VfB Stuttgart – Borussia Mönchengladbach 2:1
1. FC Nürnberg – 1. FSV Mainz 05 2:0
1. FC Köln – Hertha BSC Berlin0:3
VfL Wolfsburg – 1899 Hoffenheim 4:0
Hamburger SV – Hannover 96 0:0

Tabelle
1 Bayern München 59
2 FC Schalke 04 58
3 Bayer Leverkusen 53
4 Borussia Dortmund 52
5 Werder Bremen 48
6 Hamburger SV 45
7 VfB Stuttgart 44
8 Eintracht Frankfurt 44
9 VfL Wolfsburg 43
10 1. FSV Mainz 05 38
11 1899 Hoffenheim 34
12 Borussia Mönchengladbach 34
13 1. FC Köln 31
14 1. FC Nürnberg 28
15 VfL Bochum 28
16 SC Freiburg 25
17 Hannover 96 24
18 Hertha BSC 22

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