Das südafrikanische Sommermärchen ist nur noch eine blasse Erinnerung, die Vuvuzelas verstummt (Gott sei Dank!). Menschen, die sich alle vier Jahre zur WM Fähnchen ans Fahrzeug tackern, haben diese abgenommen. Der Fußball wird wieder zur Daily Soap: die Bundesliga fängt an.
Am 20. August startet die Liga in ihre 48. Spielzeit. Eröffnet durch die Partie Bayern München gegen VfL Wolfsburg. Mit den Bayern als Top-Meisterschaftsfavorit und dem FC St. Pauli als erstem Abstiegskandidat. Dazwischen soll sich an 34 Spieltagen ein Klassement formieren.
Der Spanier Raul ist die Topverpflichtung der Liga. Schalke hat auch einen zweiten Ex-Madrilenen unter Vertrag genommen: Christoph Metzelder. Im Gegenzug gingen Sami Khedira vom VfB Stuttgart und Mesut Özil von Werder Bremen zu Real. Das zeigt den gestiegenen Wert des deutschen Fußballs und hebt das weltweite Interesse an der Bundesliga. Gerade durch die Abgänge wird sie stärker wahrgenommen. Mehr große Stars werden kommen und landesweit für Furore sorgen. Aktuell sind Robinho bei Schalke und Hatem Ben Arfa bei Werder Bremen im Gespräch.
Zurückgekehrt ist Michael Ballack, der wieder für Bayer Leverkusen aufläuft. Der europaweit umworbene Däne Simon Kjaer schloss sich dem VfL Wolfsburg an, der mit Steve McClaren auch einen neuen ausländischen Trainer präsentiert. Dortmund hofft durch den polnischen Torjäger Robert Lewandowski nach vorne geschossen zu werden.
Doch noch ist kein Spiel gespielt. Die Tabellen sind verwaist. Meint man. Aber quer durch die Internetangebote der Bundesligavereine stehen die Tabellen in den Startlöchern und warten auf die ersten Punkte und Tordifferenzen. Dabei setzt jeder Verein in den leeren Rankings andere Akzente und gibt, teilweise kräftige, vorsaisonale Statements ab.
Ganz diplomatisch die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf ihrer Website www.bundesliga.de. Der Stand zum Ende der letzten Saison wurde übernommen, die Punkte auf Null gesetzt und die beiden Aufsteiger hinten angestellt. Das tut keinem Weh, ist aber langweilig.
Klarer Standpunkt dagegen von Werder Bremen. Werder nimmt die gleiche Basistabelle wie die DFL, setzt sich aber klar an Position 1.
Noch mehr Spaß macht das Tabellen-Watching, wenn man nach dem Konkurrenzcharakter in den Tabellen sucht.
Der 1. FC Kaiserslautern sieht sich in seiner Übersicht ebenfalls auf 1. Dem FSV Mainz 05 gönnt man Platz 4. Ein Gruß in die Landeshauptstadt an den rheinland-pfälzischen Rivalen. Die in Kaiserslautern ungeliebte Frankfurter Eintracht landet auf Rang 9.
Der HSV zeigt sich generöser. Selbst auf Eins, erringt der Hamburger Stadtrivale St. Pauli hier prophetisch die Vizemeisterschaft. Die Münchener Bayern aber sind in der HSV-Tabelle Letzter.
Die Derbyfeindschaft wird beim 1. FC Köln gepflegt. Die Tradition verlangt es vom dortigen Contentmanager einfach, die Kölner als Ersten zu führen, die Mönchengladbacher Borussia aber mit Rang 17 abzustrafen.
Beim 1. FC Nürnberg schließlich wünscht man sich die Revolution, den Aufstand der Kleinen: Mainz vor St. Pauli, dann Mönchengladbach und Köln, gefolgt von Kaiserslautern, Nürnberg und Hannover. Am Tabellenende rangieren Leverkusen, München, Stuttgart, Hamburg, Bremen und der FC Schalke. Diese Tabelle würde am Saisonende in jedem Fall für Überraschung bei den Fans sorgen und fette Quoten bei den Buchmachern versprechen.
Bei allem Geschäftsgebaren der Bundesligisten scheint also doch noch zwischen den Zeilen der alte Geist der Rivalität durch. Hoffen wir, dass auch die neuen Bundesligastars von ihm beseelt sind.
(Von Stefan Reichart)
