Vorsicht Wildwechsel: Bundesliga, Spieltag 2

Los, los, jetzt schnell neue Spieler holen. Überflüssige loswerden. Die Transferperiode endet am 31. August! Nach den Qualifizierungsspielen in Champions und Europa League ist klar, dass alle deutschen Starter den Sprung in die Gruppenphasen der europäischen Wettbewerbe geschafft haben. Frisches Geld ist da. Die ersten Spiele sind gespielt und Standortbestimmungen gemacht. Jetzt wird das Wechselkarussell kräftig angeworfen. Bremen will Silvestre, Hannover Hajnal von Dortmund. Wolfsburg holt Diego, Demichelis will weg aus München. Der fühlt sich von Trainer van Gaal gedemütigt. Da sollte eigentlich jeder europäische Topverein mit Champions League-Siegambitionen zugreifen wollen. Bayerische Ex-Verteidiger garantieren Titel. Siehe Lucio letzte Saison mit Inter Mailand.

In der ersten Reihe des Transfertheaters sitzt Schalke 04. Kaum zu glauben, dass Schalke letzte Saison Vizemeister wurde. Der gesamte Kader wird umgekrempelt. Bislang 26 Wechsel! Bei der magathschen Austauschwut bin ich mir unsicher, ob die Mannschaft vom 2. Spieltag nicht am 3. schon verkauft ist. Ein Horror für die Autogrammjäger, die Spielern wie Tore Reginiussen (von Tromsö nach Schalke nach Lecce) wahrscheinlich im Transitbereich des Flughafens ein Autogramm abringen müssen.

Aktuell verpflichtet wurden ein Rumäne namens Ciprian Deac und Außenverteidiger Hans Sarpei von Bayer Leverkusen. Heiß gehandelt werden noch Klaas-Jan Huntelaar aus Mailand und Rafael van der Vaart von Real Madrid. Dort ist Schalke ja bislang ein guter Einkäufer gewesen. Fragt sich nur mit wessen Geld? Bleibt zu hoffen, dass bei all den wilden Wechseln Felix Magath den Überblick behält und sich keine teuren Missverständnisse leistet. Albert Streit lacht heute noch über seine Verpflichtung und kassiert eine Millionengage in Schalkes Reserve.

Doch was hat‘s gebracht? Wie schlugen sich die Finanzinvestoren Schalke und Wolfsburg am zweiten Spieltag? Erbärmlich. Schalke unterlag im Heimspiel Hannover mit 1:2. Die neu formierte Defensive um Sarpei und Metzelder schwach. Schalke verlor zuletzt 1987 die ersten beiden Saisonspiele – am Ende stiegen sie ab. Ein homogenes, eingespieltes Team sollte man eben am besten schon vor dem Saisonstart haben.

Wolfsburg legte mit Neuerwerbung Diego brasilianisch-offensiv los. Nach 30 Minuten 3:0. Doch diese Mainzer, mit ihrem gerade 37-jährigen Trainer Thomas Tuchel, wollten einfach nicht aufgeben. 1:3, 2:3, 3:3, 4:3 für Mainz am Ende. Ein Sprichwort besagte einst: „Geld schießt keine Tore.“ In der globalisierten Fußballwelt der Chelseas und Madrids gilt dieser Lehrspruch nicht mehr uneingeschränkt. Doch zeigt sich: „Geld gewinnt nicht immer.“

Das bewies auch die Überraschung des Spieltags. Kaiserslautern besiegt Bayern München 2:0. Großer Kampf, großer Einsatz, auch großes Glück in einigen Situationen, und der Aufsteiger gewann gegen den Meister. Mann des Spiels: Ivo Ilicevic. Ein Tor, eine Vorbereitung, innerhalb von zwei Minuten. Steht bei Bayern jetzt auf der Liste der Akteure, die nur verpflichtet werden müssen, um dem Gegner zu schaden.

„Wir hatten ein gutes Gespräch. Er ist auf einem guten Weg. Er soll zu seiner optimalen Form zurückfinden. Er wird für die ersten Spiele der EM-Qualifikation nicht nominiert.“ Joachim Löw am vergangenen Freitag über Michael Ballack. Lieber Michael, 13. Spieltag gegen Bayern Schweinsteiger und Lahm ins Krankenhaus grätschen. Denn sonst wird es nichts mehr mit der Nationalmannschaftskarriere. Ein klares Bekenntnis des Bundestrainers hört sich anders an. Wobei, vielleicht erstmal in der Bundesliga Land sehen. Mönchengladbach kam in die BayArena. Krach, bumm, 3:6. So schnell wird aus der viel gerühmten, erfahrenen Leverkusener Klassemannschaft um Ballack und Hyypiä eine Rentnerkombo.

Und sonst? Sozialarbeiter des Tages ist Bremens Trainer Thomas Schaaf. Er hat den Bremer Neuzugang Marko Arnautovic nach dessen schwierigem Beginn und Streit mit arrivierten Kollegen sozialisiert und integriert. Der dankt es mit zwei Toren beim 4:2-Sieg gegen Köln. Übrigens einer von nur zwei Heimsiegen an diesem Spieltag. Der andere gelang Kaiserslautern. Kein Unentschieden. Sieben Auswärtssiege. So viele wie noch nie in der Bundesliga-Geschichte. Wild!

(Stefan Reichart)

Die Ergebnisse des 2. Spieltags im Überblick:

1. FC Kaiserslautern – Bayern München 2:0
FC Schalke 04 – Hannover 96 1:2
Werder Bremen – 1. FC Köln 4:2
VfL Wolfsburg – 1. FSV Mainz 05 3:4
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 1:3
1. FC Nürnberg – SC Freiburg 1:2
FC St. Pauli – 1899 Hoffenheim 0:1
Bayer Leverkusen – Borussia Mönchengladbach 3:6
VfB Stuttgart – Borussia Dortmund 1:3

Tabelle
1 1899 Hoffenheim 6 P
1 1.. FC Kaiserslautern 6 P
3 1. FSV Mainz 05 6 P
4 Hamburger SV 6 P
5 Hannover 96 6 P
6 Borussia Mönchengladbach 4 P
7 FC St. Pauli 3 P
8 Borussia Dortmund 3 P
9 Werder Bremen 3 P
9 Bayer Leverkusen 3 P
11 SC Freiburg 3 P
12 Bayern München 3 P
13 1. FC Nürnberg 1 P
14 VfL Wolfsburg 0 P
15 FC Schalke 04 0 P
16 Eintracht Frankfurt 0 P
17 1. FC Köln 0 P
18 VfB Stuttgart 0 P

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2 Gedanken zu “Vorsicht Wildwechsel: Bundesliga, Spieltag 2

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