John Neumeier: China ist mir nah

Der erste Eindruck dieser Chinatournee, gestern, kurz nachdem ich aus San Francisco gelandet bin, war ein sehr schöner: Eine Einladung zum Mittagessen. Ein Mittagessen, ein Business-Lunch noch dazu, das mag wenig aufregend klingen. Aber gestern war Sonntag. Der erste Tag des Chinesischen Neujahrsfests, des wichtigsten Fests des chinesischen Kalenders. Es ist das größte Familienfest des Landes, jeder Chinese besucht seine Verwandten, das ganze Land ist in Bewegung. An einem solchen Tag zum Essen eingeladen zu werden, das zeugt von sehr großer Wertschätzung. Ich hatte das Glück mit Madame Feng zu essen, der Direktorin des Chinesischen Nationalballetts. Wir haben uns während der letzten Tournee nach Beijing im Jahr 2010 kennengelernt und seitdem eine enge Zusammenarbeit unserer beiden Compagnien etabliert. Und so sprachen wir über unsere nächsten Projekte, über die Tournee und darüber, wie sich China als Tanzland verändert.

China National Center for Performing ArtsChina National Center for Performing Arts © Holger Badekow

Weiterlesen

Bookmark and Share

Sieger und Verlierer dieser Bundesligasaison

Der letzte Spieltag der Saison 2010/2011 ist gespielt. Die 18 Bundesligavereine teilen sich in Gewinner und Verlierer. Meine persönliche Bilanz:

Gewinner:
Natürlich Borussia Dortmund. Der verdiente, überlegene Meister. Mit vielen jungen Spielern, die hoffentlich, von Nuri Sahin abgesehen, der nach Madrid geht, der Borussia auch in der nächsten Spielzeit erhalten bleiben.
Leverkusen als Zweiter ist ebenfalls ein Gewinner. Wer Zweiter in der Bundesliga wird und sich vor den Bayern für die Champions League qualifiziert, gehört in diese Kategorie.
Dann nätürlich die „kleinen“ Vereine Hannover 96, Mainz 05, Nürnberg, Freiburg, die die Liga gewaltig aufmischten und überraschend weit oben stehen. Wollen mal sehen, wie sich Hannover und Mainz in Europa schlagen.
Gewinner sind auch die Teams, die von vornhinein nur den Klassenerhalt ausgegeben hatten und diesen realisierten. Kaiserslautern und der 1. FC Köln schafften dies, wobei man im Falle Kaiserslauterns noch ergänzen muss, dass sie die gesamte Saison über in kritischen Situationen die Nerven behielten und nicht dem vermeintlichen Allheilmittel Trainerwechsel verfielen. Lohn: ein toller siebter Rang.
Ein Sieger ist auch Borussia Mönchengladbach, die schon längst abgestiegen schien. Im Winter abschlagen auf Rang 18, setzten „die Fohlen“ eine Aufholjagd in Gang, die die Chance eröffnet, über die Relegation am nächsten Wochenende die Klasse zu erhalten. Natürlich bleibt in Gladbach nur das Lächeln, wenn der VfL Bochum in zwei Entscheidungsspielen unten gehalten wird.
Auch der Blick auf einzelne Fußballer offenbart Gewinner. Mario Gomez zum Beispiel, der Torschützenkönig der Bundesliga mit 28 Treffern wurde. Vor einem Jahr hätten ihn die Bayern als Chancentod fast noch vom Hof gejagt. Oder Trainer Thomas Tuchel, der in Mainz ein nationales Spitzenteam formte, das in dieser Saison nie schlechter als Rang 5 platziert war. Oder Schalkes Weltklassemann Manuel Neuer, der unter Beweis stellte, dass er der beste deutsche Torwart und ein würdiger Nachfolger von Oliver Kahn im Nationaltor ist. Oder Marco Reus oder Mirko Slomka oder Ilkay Gündogan oder oder oder.

Die Welt besteht aber nicht nur aus Gewinnern. Wo es Sieger gibt, da gibt es auch Verlierer. Gerade in der Bundesliga.
Bayern München wurde nicht Meister und jede Saison ohne Meistertitel ist dort eine verlorene. Jedoch, die Fans anderer Verein werden das differenzierter sehen und eine Spielzeit ohne Bayern-Titel als Gewinn bewerten.
Echte Verlierer sind die Absteiger FC St. Pauli und Eintracht Frankfurt. Natürlich ist die Eintracht die größere Enttäuschung. Abgestürzt nach guter Hinrunde, müssen sich die Hessen in Liga 2 neu sammeln. Aber auch von St. Pauli hätte ich mehr erwartet. Die Hinrunde lief gut. Doch Fanproteste gegen Kommerzialisierung und die Diskussionen um den Wechsel von Trainer Stanislawski trieben einen Tropfen der Missgunst ins hamburgische Freudenhaus-Gebilde. Der Zusammenhalt im Verein bekam Risse und ihn hätte es bedürft, um Grandioses zu leisten. St. Pauli steigt hoch erhobenen Hauptes ab. Doch die Paar Prozent mehr zum Klassenerhalt wären möglich gewesen. Sie wurden nicht ausgeschöpft.
Verlierer sind ansonsten die großen Vereine, die nach oben strebten und nach unten fielen. Mancher blieb einfach im Mittelmaß stecken, wie der HSV. Mancher kämpfte lange gegen den Abstieg: Wolfsburg, Bremen, Stuttgart, Schalke. Für sie ging die Saison glimpflich aus. Es hätte schlimmer kommen können.
Schalke ist deshalb für mich ein Verlierer, weil der Kader auf Bundesligaerfolg (Meisterschaft?) zusammengestellt wurde und dort enttäuschte. Allerdings können die Schalker die Spielzeit noch mit dem Pokalsieg retten und überzeugten in der Champions League. Mit Schalke verlor auch Zampano Magath, der Fans und Spieler gefühlsmäßig spaltete und nach dem Blitzwechsel zu Wolfsburg fast verzweifelte.

Schwer gezeichnet geht Christoph Daum aus der Saison, der sein Magier-Image mit dem Eintracht-Abstieg verloren hat und nicht mehr tragbar ist. Auf das Abstellgleis geraten ist Michael Ballack, der in Leverkusen voll angreifen wollte, aber von Verletzungen zurückgeworfen nun die Ausmusterung durch Bundestrainer Joachim Löw erwartet. Und schließlich Wolfsburgs Diva Diego, der beleidigt die existenziell wichtige Reise zur entscheidenden Partie seiner Mannschaft verweigerte, weil er nicht von Anfang an spielen durfte. So ein Typ ist keinem zahlenden Fan mehr zuzumuten.

Es war eine spannende, nie langweilige 48. Spielzeit der Fußball-Bundesliga. Am 5. August geht es von vorne los. Mit neuen Gewinnern und Verlierern.

Die Ergebnisse des 34. Spieltags:
Bayern München – VfB Stuttgart 2:1
1899 Hoffenheim – VfL Wolfsburg 1:3
Hannover 96 – 1. FC Nürnberg 3:1
Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 3:1
Hamburger SV – Borussia M’gladbach 1:1
1. FSV Mainz 05 – FC St. Pauli 2:1
1. FC Köln – FC Schalke 04 2:1
SC Freiburg – Bayer Leverkusen 0:1
1. FC Kaiserslautern – Werder Bremen 3:2

Tabelle:
1 Borussia Dortmund 75 P
2 Bayer Leverkusen 68 P
3 Bayern München 65 P
4 Hannover 96 60 P
5 1. FSV Mainz 05 58 P
6 1. FC Nürnberg 47 P
7 1. FC Kaiserslautern 46 P
8 Hamburger SV 45 P
9 SC Freiburg 44 P
10 1. FC Köln 44 P
11 1899 Hoffenheim 43 P
12 VfB Stuttgart 42 P
13 Werder Bremen 41 P
14 FC Schalke 04 40 P
15 VfL Wolfsburg 38 P
16 Borussia Mönchengladbach 36 P
17 Eintracht Frankfurt 34 P
18 FC St. Pauli 29 P

Bookmark and Share

Drei gute Gründe für Meister Dortmund und Manuel Neuer

Borussia Dortmund ist Meister. Verdienter Meister. Drei Spieltage vor Saisonschluss hat der BVB durch ein 2:0 gegen Nürnberg den Titelgewinn klar gemacht, weil Leverkusen in Köln mit 0:2 verlor. Dabei waren die Leverkusener Titelchancen ohnehin nur noch gering.

Dortmund ist in allen statistischen Belangen herausragend. Die meisten Siege, die wenigsten Niederlagen, die wenigsten Gegentreffer. Seit dem zehnten Spieltag auf Platz 1. Mit einer jungen, dynamischen Mannschaft, gespickt mit tollen Einzelspielern wie Götze, Großkreuz, Hummels, Sahin, Schmelzer oder Barrios. Mein Glückwunsch geht nach Dortmund.

Das zweite große Thema der Bundesliga dieser Tage ist der bevorstehende Vereinswechsel von Manuel Neuer. Er möchte den FC Schalke verlassen, vermutlich zu Bayern München. Obwohl seit letzter Woche Manchester United mitbietet. Die grandiose Leistung des Nationaltorhüters in der Champions League-Partie ließ die Engländer ihren Blick auf Neuer richten. Doch der will lieber innerhalb der Bundesliga wechseln. Warum?

Nun, drei Gründe kann ich dafür finden, warum der Spitzentorwart nicht in eine der drei anderen großen europäischen Ligen wechseln möchte:
1.) In deutschen Stadien ist die Stimmung besser als in englischen. Der Erhalt der Stehplätze in den deutschen Stadien schafft eine herausragende Atmosphäre, mit Fangesängen und Choreographien. Der Verlust eben dieser Stehtraversen und horrende Eintrittskartenpreise machen aus englischen Arenen vielfach Stimmungsfriedhöfe mit Opernpublikum. Dortmunds riesige Südtribüne ist mit ihren Fans dagegen eines Meisters würdig und der „zwölfte Mann“ des Teams.

2.) Die Bundesliga ist besser organisiert als die italienische Serie A. Spielerstreiks wegen ausstehender Gehälter, sich wild gebärdende Großinvestoren, mangelnde Zuschauersicherheit aufgrund maroder Stadien – alles hierzulande unbekannt. Ein beinahe insolventer Fußballverein wird in Deutschland nicht durch dubiose Finanzspritzen, sondern durch besonnenes Wirtschaften auf den Erfolgsweg zurückgeführt. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat hier vorbildlich gearbeitet und den Grundstein für die Dortmunder Meistermannschaft gelegt.

3.) In Deutschland gibt es nicht nur zwei Klubs, die um die Meisterschaft kämpfen. In Spaniens Primera Division ist alljährlich nur die Frage: Real oder Barcelona? Klar, in Deutschland ist Bayern München vor jeder Saison der große Favorit. Aber es gibt eine Menge Teams, die dem Rekordmeister Paroli bieten können. Bremen 2004, Stuttgart 2007, Wolfsburg 2009 oder eben Dortmund 2011.

Drei gute Gründe also für Manuel Neuer, in der Bundesliga zu bleiben. Drei gute Gründe eigentlich um, äh, nach Dortmund zu wechseln. Doch das verbietet sich als Schalker dann doch.

Die Ergebnisse des 32. Spieltags:
Werder Bremen – VfL Wolfsburg 0:1
1. FC Kaiserslautern – FC St. Pauli 2:0
Borussia Dortmund – 1. FC Nürnberg 2:0
Hamburger SV – SC Freiburg 0:2
1. FSV Mainz 05 – Eintracht Frankfurt 3:0
1899 Hoffenheim – VfB Stuttgart 1:2
1. FC Köln – Bayer Leverkusen 2:0
Hannover 96 – Borussia Mönchengladbach 0:1
Bayern München – FC Schalke 04 4:1

Tabelle:

1 Borussia Dortmund 72 P
2 Bayer Leverkusen 64 P
3 Bayern München 59 P
4 Hannover 96 57 P
5 1. FSV Mainz 05 52 P
6 1. FC Nürnberg 47 P
7 SC Freiburg 44 P
8 Hamburger SV 43 P
9 1899 Hoffenheim 40 P
10 FC Schalke 04 40 P
11 1. FC Kaiserslautern 40 P
12 VfB Stuttgart 39 P
13 Werder Bremen 38 P
14 1. FC Köln 38 P
15 VfL Wolfsburg 35 P
16 Eintracht Frankfurt 34 P
17 Borussia Mönchengladbach 32 P
18 FC St. Pauli 29 P

Bookmark and Share

The Bundesliga is like a box of chocolates…

Professional footballers have a lot in common with children – well, at least the FC Bayern boys do in any case. On the one hand, they’re unpredictable, moody, and have real difficulty concentrating on one thing for 90 minutes, as shown by their poor 1:1 performance against a much weaker Nuremberg side last week. Then again, just like children, they can be fresh, creative and full of innocent pleasure, which is what the Bayern team was like yesterday as they stormed to a 5:1 win over Bayer Leverkusen.

As far as the club bigwigs around President Uli Hoeneß are concerned, the reason FC Bayern had been more disappointing childish than pleasantly childlike to date was the strict coaching style of the recently-departed Louis van Gaal (who actually makes his daughters call him “Sir”, but that’s another matter altogether…). One thing that would seem to bear this out is the fact that, compared to van Gaal’s harsh and exacting teaching style, replacement coach Andries Jonker is something of a woolly, “call me Andries”-style pedagogue whose hands-off light-touch has seen Bayern turn things around and take apart supposed league contenders Leverkusen by a four-goal margin.

If you ask me, that’s the great thing about the Bundesliga: you really do never know what you’re going to get. Just look at Wolfsburg; on paper, it is the second most expensive team in the league, and yet they are currently playing in a desperate attempt to avoid relegation. Their comrades in arms in the fight against the drop are, however, St. Pauli, who field what is probably the cheapest squad in the league. So all bets where off this weekend as the two sides clashed. With all that cash going around, plus the home advantage and the new coach Felix Magath, who has a strong track record as both a championship winner and saver of teams in danger of relegation, you might have thought that Wolfsburg was a dead cert to win and pull themselves out of the relegation zone. In the end, though, they only managed a lucky 2:2 draw against their underfinanced rivals – and it would have been a loss without that saved-by-the-bell equaliser in the 89th minute. It would be interesting to see what happens if Wolfsburg really do get relegated, making them the most expensive second-league side ever. Then again, they might be forced to downsize if sponsors Volkswagen withdraw their financial support, without which the team would never have gotten anywhere near the Bundesliga in any case. I’m not sure how well they’d deal with relegation at all.

If Pauli drop though, that won’t be so much of a problem for the side: shuttling between the top and the second league is, after all, what Pauli do best. Even stinging from relegation, Pauli fans will still have something to toast in a few weeks anyway, since they achieved their main goal of beating city rivals Hamburger SV back in February. In any case, what will really hurt this cult club near Hamburg’s famous Reeperbahn will be the end of coach Holger Stanislawski’s 18-year career there. Starting as a player, then manager and now working as a coach, Stanislawski is a Pauli-legend – but a legend who is seeking pastures new, most probably down south at TSG 1899 Hoffenheim. I’m not sure whether it’s the right move for him, though, because – just like the Wolfsburg side who Pauli put to shame this weekend – Hoffenheim is a team in the pocket of big-business: Dietmar Hopp, founder of software giant SAP, is trying to turn money into football success; but the Bundesliga remains just like a box of chocolates…

Johannes Göbel

Results match day 30:
1. FSV Mainz 05 – Borussia Möchengladbach 1:0
Hamburger SV – Hannover 96 0:0
VfL Wolfsburg – FC St. Pauli 2:2
1899 Hoffenheim – Eintracht Frankfurt 1:0
1. FC Köln – VfB Stuttgart 1:3
1. FC Kaiserslautern – 1. FC Nürnberg 0:2
Werder Bremen – FC Schalke 04 1:1
Bayern München – Bayer Leverkusen 5:1
Borussia Dortmund – SC Freiburg 3:0

Table:
1 Borussia Dortmund 69 P
2 Bayer Leverkusen 61 P
3 Bayern München 55 P
4 Hannover 96 54 P
5 1. FSV Mainz 05 48 P
6 1. FC Nürnberg 46 P
7 Hamburger SV 43 P
8 SC Freiburg 41 P
9 1899 Hoffenheim 40 P
10 FC Schalke 04 40 P
11 Werder Bremen 35 P
12 1. FC Köln 35 P
13 1. FC Kaiserslautern 34 P
14 VfB Stuttgart 33 P
15 Eintracht Frankfurt 33 P
16 VfL Wolfsburg 29 P
17 FC St. Pauli 29 P
18 Borussia Mönchengladbach 26 P

Bookmark and Share

Wundertüte Bundesliga: Man weiß nie, was man bekommt

Fußballprofis sind wie Kinder. Zumindest die Jungs vom FC Bayern München. Unberechenbar, launisch und oft unfähig, sich 90 Minuten auf etwas zu konzentrieren. So präsentierte sich der deutsche Rekordmeister zuletzt beim blamablen 1:1 gegen Nürnberg am 29. Spieltag. Herzerfrischend, kreativ und voll kindischer Spielfreude war dagegen der 5:1-Auftritt gegen Bayer Leverkusen am gestrigen Sonntag. Glaubt man der Bayern-Führungsriege um Präsident Uli Hoeneß war am zuvor so oft enttäuschenden Auftritt der Millionärstruppe vor allem der gestrenge Trainer Louis van Gaal schuld. (Van Gaal lässt sich übrigens von seinen Töchtern siezen, aber das nur am Rande.) Zum 30. Spieltag versuchten es die Münchner erstmals mit dem Kuschelpädagogen Andries Jonker als Cheftrainer und siehe da: Schon wurde der vermeintliche Meisterschaftskandidat Leverkusen demontiert.

Aber das ist ja das schöne an der Wundertüte Bundesliga: Man weiß nie genau, was man bekommt. Das Phänomen kennen sie auch in Wolfsburg. Die wohl zweitteuerste Mannschaft der Liga spielt völlig verdient gegen den Abstieg. Wie auch die wohl günstigste Truppe der Liga: der FC St. Pauli. Also: Die beiden punktgleichen Teams trafen am vergangenen Samstag aufeinander. Wolfsburg hat ein Heimspiel und seit kurzem mit Felix Magath einen der wenigen Trainer, die sowohl einen Ruf als Meistermacher wie auch als Retter im Abstiegskampf haben. Gar nicht mal schlechte Voraussetzungen für Wolfsburg, endlich mit dem Abstiegskampf Ernst zu machen. Stattdessen schaffen sie gerade einmal ein glückliches 2:2 – durch ein Ausgleichstor in der 89. Minute. Wenn die Wolfsburger tatsächlich absteigen sollten, wäre das natürlich interessant. Wird das dann die teuerste Zweitligamannschaft aller Zeiten? Pumpt der Volkswagen-Konzern weiterhin so viel Geld in einen Verein, der es ohne die Autobauer vermutlich niemals in die Erste Bundesliga geschafft hätte? Abwarten.

Beim FC St. Pauli werden Sie den Abstieg verkraften, so viel ist sicher. Das ständige Auf und Ab gehört praktisch zur Identität des Kultclubs vom Hamburger Kiez. Und wenn sie am Ende der Saison tatsächlich in die zweite Liga müssen, können sie trotzdem behaupten, das große Saisonziel erreicht zu haben: Der Stadtrivale Hamburger SV wurde bereits im Februar besiegt. Deutlich härter als der Gang in Liga 2 dürfte St. Pauli ohnehin der Abschied von Trainer Holger Stanislawski treffen. Der ist seit 1993 im Verein. Zuerst als Spieler, dann als Vizepräsident und Manager und schließlich als Coach. Eine Legende. Stanislawski wird jetzt höchstwahrscheinlich neuer Cheftrainer bei der TSG 1899 Hoffenheim. Für Fußball-Laien: Das ist ein ziemlich ähnlicher Verein wie der VfL Wolfsburg, nur dass Hoffenheim vom Milliardär Dietmar Hopp, Gründer der Software-Firma SAP, mit Geld aufgepumpt wurde. Ob sich Stanislawski mit solch einem Wechsel einen Gefallen tut?

Johannes Göbel

Die Ergebnisse des 30. Spieltags:
1. FSV Mainz 05 – Borussia Möchengladbach 1:0
Hamburger SV – Hannover 96 0:0
VfL Wolfsburg – FC St. Pauli 2:2
1899 Hoffenheim – Eintracht Frankfurt 1:0
1. FC Köln – VfB Stuttgart 1:3
1. FC Kaiserslautern – 1. FC Nürnberg 0:2
Werder Bremen – FC Schalke 04 1:1
Bayern München – Bayer Leverkusen 5:1
Borussia Dortmund – SC Freiburg 3:0

Tabelle:
1 Borussia Dortmund 69 P
2 Bayer Leverkusen 61 P
3 Bayern München 55 P
4 Hannover 96 54 P
5 1. FSV Mainz 05 48 P
6 1. FC Nürnberg 46 P
7 Hamburger SV 43 P
8 SC Freiburg 41 P
9 1899 Hoffenheim 40 P
10 FC Schalke 04 40 P
11 Werder Bremen 35 P
12 1. FC Köln 35 P
13 1. FC Kaiserslautern 34 P
14 VfB Stuttgart 33 P
15 Eintracht Frankfurt 33 P
16 VfL Wolfsburg 29 P
17 FC St. Pauli 29 P
18 Borussia Mönchengladbach 26 P

Bookmark and Share

Die Zeit der Generäle ist vorbei. Alles klar mit Neuer?

Brisante Zweikämpfe standen am 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga auf dem Plan. Die Abstiegsduelle Frankfurt gegen Bremen, Stuttgart gegen Kaiserslautern und Mönchengladbach gegen Köln sollten die Frage erhellen, wer in fünf Wochen absteigen muss. Letzteres als Derby benachbarter Konkurrenten.

Auch Bayern München trat zum Derby an. Beim Club aus Nürnberg. Im Fokus stand Bayerns Präsident Uli Hoeneß. Den hatten Teile der eigenen Fans am vorletzten Wochenende heftig beschimpft, weil er den Stadtrivalen TSV 1860 retten möchte. Hoeneß im Blickfeld – aber anders als gedacht.

Überstrahlt wurden alle Bundesligapartien vom brisanten Wiedersehen des FC Schalke 04 und seines Ex-Trainers Felix Magath. Der kehrte 24 Tage nach seiner Beurlaubung mit dem VfL Wolfsburg als Coach nach Gelsenkirchen zurück. Würden die Schalker Spieler, die Magath alles Schlechte beim Abschied wünschten, wutschnaubend Magaths Wölfe vom Hof jagen? Wie würde der Empfang der Schalke-Fans für Magath ausfallen, der die Anhängerschaft tief gespalten hatte?

Nun, das Schalke-Spiel hielt in Sachen Brisanz nicht das, was ich erwartet hatte. Natürlich gab es Rivalitäten und Animositäten. Aber Ausfälle irgendeiner Art gab es nicht. Die Schalker gewannen einfach 1:0.

Auch Frankfurt gegen Bremen brachte keinen Aufreger und endete mit einem müden 1:1. Doch in zwei Abstiegsduellen gab es deutliche Siege. Kaiserslautern gewann überraschend 4:2 in Stuttgart und feierte die Auferstehung von Stürmer Srdjan Lakic, der nach zehn Wochen Torflaute endlich wieder die Kiste traf.

Mönchengladbach demütigte den Derbyrivalen Köln mit einem 5:1 und sendet letzte Notsignale im Kampf gegen den Abstieg. Zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz lassen das Unvermeidliche plötzlich abwendbar erscheinen.

Für den Knalleffekt des Spieltags sorgte jedoch Uli Hoeneß bei Bayern München. Die Münchener kamen beim 1. FC Nürnberg nur zu einem 1:1, weil Jung-Torwart Thomas Kraftmpatzte. Zu wenig für die Champions League-Ambitionen des Rekordmeisters, der wieder Hannover 96 in der Tabelle an sich vorbeiziehen lassen muss. Das hatte Konsequenzen. Trainer Louis van Gaal wurde rausgeschmissen.

In der Begründung lief Vereinspräsident Hoeneß zur Hochform auf. In aggressivem Ton begründete er van Gaals Ende. Hoeneß ließ auf der Pressekonferenz verlauten, mit dem aus seiner Sicht unnötigen Torwartwechsel von Hans-Jörg Butt zu Thomas Kraft wäre „die Scheiße“ losgegangen. Nach einer Kette von Fehlern des Trainers habe der Vorstand handeln müssen. Die allgemeine Verunsicherung der Mannschaft habe ihren Ursprung im Tor. Die Spieler hatten außerdem Probleme mit van Gaal, der keinen Spaß mehr vermitteln konnte.

Nachtreten in Reinform. Von einem, der am längeren Hebel sitzt. Und Thomas Kraft sollte sich dringend nach einem neuen Verein für die nächste Saison umsehen. Eine Zukunft wird er in München, nach meiner Meinung, nicht mehr haben. Vielmehr erscheint logisch, dass die Verpflichtung des Schalker Nationaltorhüters Manuel Neuer zur neuen Saison schon seit dem Winter unter Dach und Fach ist. Hoeneß deshalb eine Torhüterdiskussion Butt oder Kraft für völlig unnötig hielt und es ein Fehler van Gaals war, dieses Torhüterthema überhaupt in den Fokus gestellt zu haben.

Und noch etwas anderes zeigt diese Entlassung. Die Zeit der Generäle ist vorbei. Herrische Diktatoren, die ihre Spieler wie Untertanen behandeln, Trainer die nur über ihre Assistenten mit der Mannschaft kommunizieren, haben ausgedient. Das trifft auf van Gaal zu, aber auch auf Felix Magath, der sich für mich mit dem Wolfsburg-Engagement auf dem absteigenden Ast befindet. Kooperative Mannschaftsführung á la Klopp ist das Zeichen der Zeit.

Die Ergebnisse des 29. Spieltags:
Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 1:1
FC Schalke 04 – VfL Wolfsburg 1:0
Hamburger SV – Borussia Dortmund 1:1
SC Freiburg – 1899 Hoffenheim 3:2
Hannover 96 – 1. FSV Mainz 05 2:0
1. FC Nürnberg – Bayern München 1:1
VfB Stuttgart – 1. FC Kaiserslautern 2:4
Borussia Mönchengladbach – 1. FC Köln 5:1
Bayer Leverkusen – FC St. Pauli 2:1

Tabelle:
1 Borussia Dortmund 66 P
2 Bayer Leverkusen 61 P
3 Hannover 96 53 P
4 Bayern München 52 P
5 1. FSV Mainz 05 45 P
6 1. FC Nürnberg 43 P
7 Hamburger SV 42 P
8 SC Freiburg 41 P
9 FC Schalke 04 39 P
10 1899 Hoffenheim 37 P
11 1. FC Köln 35 P
12 1. FC Kaiserslautern 34 P
13 Werder Bremen 34 P
14 Eintracht Frankfurt 33 P
15 VfB Stuttgart 30 P
16 VfL Wolfsburg 28 P
17 FC St. Pauli 28 P
18 Borussia Mönchengladbach 26 P

Bookmark and Share

Alle Augen auf Christoph Daum

Christoph Daums Rückkehr in die Bundesliga hat für große Aufmerksamkeit gesorgt und das Medieninteresse auf den Trainer und seinen neuen Verein Eintracht Frankfurt gelenkt.

Wie schlägt sich der einstige Lautsprecher der Liga? Er ist eine schillernde deutsche Trainerfigur: in Köln einst debütiert, in Stuttgart Meistertrainer, Leverkusens Ruf als ewigen Zweiten zementiert, fast Bundestrainer geworden. Und nach der Kokainaffäre 2000 in die Türkei geflüchtet.

Nach einem Engagement in Kölns Zweitligazeit 2006 und einem weiteren Mal Türkei ist er jetzt wieder da. Sein Einstieg bei Eintracht Frankfurt kam überraschend. Die Eintracht hatte das letzte Match unter Michael Skibbe gewonnen. Doch die Abstiegsangst beflügelte die Suche des Vorsitzenden Heribert Bruchhagen nach einem Rettungsstrohhalm. Die Eintracht brauchte einen Motivator und Kommunikator. Das ist Daum sicherlich. Und das neue Etikett „Konzepttrainer“ will er auch auf sich angewendet wissen. Andererseits, mehr als Eintracht Frankfurt ist für Daum und seinen Ruf auch nicht mehr drin.

Bei einem Topklub mit Champions League-Garantie arbeiten? Ausgeschlossen. Das wäre in Deutschland ohnehin nur Bayern München. Die Fälle Klopp, Slomka oder Dutt zeigen: Trainer ohne die höchste Reputation müssen im Bundesligamittelmaß ein Team finden, aufbauen und entwickeln. Sodann hoffen, dass sie dieses zu höchsten Weihen führen. Gelingt das, ist damit auch des Trainers persönlicher Aufstieg verbunden.

Mit der Eintracht nach oben ins internationale Geschäft klettern? Verlockend für Daum und auch seine einzige Chance. Mit Stuttgart und Leverkusen hat er es schon vorgemacht. Doch ist das in Frankfurt realistisch? Der Abstieg droht. Wenn der Schuss nach hinten losgeht, ist Daum weg. Denn er hält sich für zu gut für die zweite Liga.

Pikant, dass er in seinem ersten Spiel als Eintracht-Trainer auf Felix Magath traf, den anderen Übungsleiter, der durch seinen Blitzwechsel von Schalke nach Wolfsburg für Aufsehen in der Bundesliga sorgte. Magath soll die darniederliegende VW-Betriebsmannschaft generalüberholen.

Christoph Daum hat es in seiner elftägigen Arbeit mit der Mannschaft immerhin schon geschafft, dass auch mal ein anderer Spieler als immer nur Theofanis Gekas das Tor trifft. Alexander Meier brachte die Eintracht in Wolfsburg in Führung. Doch der gelang es trotz 20-minütiger Überzahl nach gelb-roter Karte gegen Wolfsburgs Friedrich nicht, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Mandzukic gelang kurz vor Schluss der verdiente Ausgleich. Wolfsburg war drückend überlegen, Frankfurt enttäuschte spielerisch. Dennoch nutzt das Unentschieden der Eintracht. Denn sie hält Abstand zu den Abstiegsrängen und so Christoph Daum die Chance offen, wieder richtig in der Bundesliga Fuß zu fassen.

Die Ergebnisse des 28. Spieltags:
Bayern München – Borussia Mönchengladbach 1:0
Werder Bremen – VfB Stuttgart 1:1
Borussia Dortmund – Hannover 96 4:1
1. FSV Mainz 05 – SC Freiburg 1:1
1. FC Kaiserslautern – Bayer Leverkusen 0:1
1899 Hoffenheim – Hamburger SV 0:0
1. FC Köln – 1. FC Nürnberg 1:0
VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt 1:1
FC St. Pauli – FC Schalke 04 beim Stand von 0:2 wegen Attacke auf Linienrichter abgebrochen

Tabelle:
1 Borussia Dortmund 65 P
2 Bayer Leverkusen 58 P
3 Bayern München 51 P
4 Hannover 96 50 P
5 1. FSV Mainz 05 45 P
6 1. FC Nürnberg 42 P
7 Hamburger SV 41 P
8 SC Freiburg 38 P
9 1899 Hoffenheim 37 P
10 1. FC Köln 35 P
11 FC Schalke 04 33 P
12 Werder Bremen 33 P
13 Eintracht Frankfurt 32 P
14 1. FC Kaiserslautern 31 P
15 VfB Stuttgart 30 P
16 VfL Wolfsburg 28 P
17 FC St. Pauli 28 P
18 Borussia Mönchengladbach 23 P

Bookmark and Share