Haach de Klicker ins Goal enei!“, hat mein Trainer immer zu mir gesagt. So einfach ist Fußball. „Hau den Ball ins Tor hinein!“ Oder hat ihrer gesagt: „Heute ziehen wir Bilanz.“? Wenn es der letzte Spieltag war, bestimmt.
Der 34. Spieltag der Fußball-Bundesliga 2009/2010 ist gespielt. Zeit, Bilanz zu ziehen. Erfolg und Misserfolg lagen an diesem letzten Spieltag der Saison so eng wie nur möglich beieinander – im gleichen Stadion. Im Berliner Olympiastadion spielte der bereits seit einer Woche feststehende Absteiger Hertha BSC gegen den Meister Bayern München. Bayern gewann 3:1 und nahm nach dem Spiel die Meisterschale entgegen. Den Berlinern blieb nur die Zuschauerrolle.
Meisterschaft entschieden, internationale Startplätze verteilt. In Bochum wurde die einzige noch offene Frage der Liga, die nach dem zweiten Absteiger, zwischen dem VfL und Hannover 96 geklärt. Wobei Hannover als Gast in Bochum die Spannung schon zur Halbzeit aus dem Spiel nahm. Das Endergebnis von 0:3 stand nach 45 Minuten fest.
Die Bilanz:
1. Bayern München

Verdienter Meister. Im November stand Trainer Louis van Gaal vor dem Aus. Doch dann setzte die Mannschaft sein Konzept um. Starke Rückrunde, Pokalfinale, Champions League-Sensation. Und mit Arjen Robben den besten Spieler der Saison im Kader. Auf dem Münchener Marienplatz präsentierten die Bayern die Meisterschale. (Bild: Autokorso mit Bastian Schweinsteiger)
2. Schalke 04
Felix Magath hat mehr aus dem Team geholt, als zu erwarten war. Doch es wäre der Titel drin gewesen. Im entscheidenden Spiel gegen die Bayern versagt.
3. Werder Bremen
Mit besserer Hinrunde wäre die Meisterschaft möglich gewesen. Die Saison mit dem Champions League-Rang gerettet. Und der Pokalsieg ist ja noch möglich.
4. Bayer Leverkusen
Nach der Herbstmeisterschaft folgte der Absturz. Die ersten 24 Spiele ungeschlagen – Rekord. Der Punktevorsprung schmolz rapide.
5. Borussia Dortmund
Starke Saison. Zählte vor der Spielzeit nicht unbedingt zum Kreis der Top-Sechs-Kandidaten. Aber im Revier noch nicht die Nummer 1.
6. VfB Stuttgart
Nach dem Wechsel zu Trainer Christian Gross blühten die Schwaben auf. Am 14. Spieltag noch auf einem Abstiegsplatz. Jetzt Europa-League. Bestes Rückrundenteam. Was wäre bei besserer Hinserie möglich gewesen?
7. Hamburger SV
Teure Mannschaft, kein Erfolg. Ex-Trainer Labbadia war ein Fehlgriff. Schon wieder steht der HSV vor einem Neuaufbau. Wie ständig in den letzten sieben Jahren. Für die nächste Saison sind Trainer und Kader ungewiss.
8. VfL Wolfsburg
Gleicher Kader, anderer Trainer, von 1 auf 8. Mit Dzeko, Grafite, Misimovic und Co. wurde Felix Magath Meister. Mit Armin Veh und Lorenz-Günther Köstner wurde es nur ein Mittelfeldplatz. Bundesliga-Torschützenkönig Edin Dzeko wird den Klub verlassen.
9. Mainz 05
Den Aufsteiger sahen viele auch als ersten Absteiger. Hat mit Greenhorn Thomas Tuchel überrascht.
10. Eintracht Frankfurt
In den letzten beiden Saisonspielen wurde eine bessere Platzierung vertan. Trainer Michael Skibbe hat das Maximum aus dem Durchschnittskader herausgeholt.
11. 1899 Hoffenheim
Der Provinzklub musste erkennen, dass auch mit großem Mäzenatentum nicht die Bäume in den Himmel wachsen. Wer von der Champions League im Kraichgau träumte, wurde enttäuscht. Die Stimmung war schlecht, der Manager geht.
12. Borussia Mönchengladbach
Trainer Michael Frontzeck brachte aus Bielefeld den schlechten Ruf eines Absteigers mit. Hat aber die Gladbacher in sicheres Fahrwasser geführt. Und vor den Erzrivalen Köln!
13. 1. FC Köln
Der Klassenerhalt war früh gesichert. Das war die Hauptsache. Heilsbringer Lukas Podolski aber enttäuschte, ist auf Normalgröße geschrumpft und kann nun, ohne den überdimensionierten Erwartungsdruck, in der neuen Saison befreit aufspielen.
14. SC Freiburg
Der Nichtabstieg ist eine große Überraschung. Die Freiburger hatten den kleinsten Etat und lange Zeit einen Heimkomplex. Den wurden sie gerade noch rechtzeitig los.
15. Hannover 96
Trug das Drama „Robert Enke“ lange mit sich herum. Doch am Schluss fand Trainer Mirko Slomka endlich einen Zugang zu den Spielern und rettete so den Verein vor dem Abstieg. Bezeichnend Torwart Fromlowitz nach dem 3:0-Sieg im entscheidenden Match in Bochum: „So etwas will ich nie wieder erleben.“
16. 1. FC Nürnberg
Am kommenden Wochenende steht die Relegation zwischen dem Drittletzten der ersten und dem Dritten der zweiten Liga an. Zum zweiten Mal, nach der Einführung 2009. Beide Male dabei: der 1. FC Nürnberg. In der letzten Saison behielten die Nürnberger als Emporkömmling gegen Cottbus die Oberhand. Und diesmal? Pikant: Es geht gegen den bayerischen Rivalen FC Augsburg.
17. VfL Bochum
Heiko Herrlich übernahm im Oktober. Es ging aufwärts. Der Verein plante schon für die nächste Saison in der ersten Liga, doch plötzlich gerieten die Bochumer in einen Abwärtssog. Unerklärlich. Die Panikreaktion, Herrlich vor den letzten beiden Saisonspielen zu entlassen, brachte nichts mehr. Sechster Abstieg in der Vereinsgeschichte.
18. Hertha BSC Berlin
Schlechteste Heimmannschaft, schlechtestes Hinrundenteam, falsche Kaderzusammenstellung, unerfahrener Manager, verpuffender Trainerwechsel. Ergebnis: Abstieg. Zukunft ungewiss. Die Hauptstadt ist nicht mehr in der ersten Liga vertreten. Hertha in einer Reihe mit Tasmania Berlin.
Bochum und Berlin werden in der neuen Saison vom 1. FC Kaiserslautern und vom FC St. Pauli ersetzt. Zwei Attraktionen für die Bundesliga, mit Derbys in Hamburg und Rheinland-Pfalz. Eine Bilanz die Vorfreude weckt. Am 20. August geht es los.
Die Ergebnisse des 34. Spieltags im Überblick:
Hertha BSC Berlin - Bayern München 1:3
1899 Hoffenheim - VfB Stuttgart 1:1
Werder Bremen - Hamburger SV 1:1
SC Freiburg - Borussia Dortmund 3:1
1. FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 0:0
Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 1:1
VfL Bochum - Hannover 96 0:3
1. FC Nürnberg - 1. FC Köln 1:0
VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt 3:1





