Für Tradition kann man sich auch nichts kaufen

Nachdem ich mich hier zuletzt über die neureichen Clubs VfL Wolfsburg (zum wiederholten Male!) und TSG 1899 Hoffenheim lustig gemacht habe, muss ich heute etwas zugeben: Für Tradition allein kann man sich auch nichts kaufen. Eine Mannschaft, die das zurzeit von Spieltag zu Spieltag aufs Neue beweist, ist der Hamburger SV. Am Wochenende verloren die Norddeutschen mit 0:3 beim abstiegsgefährdeten VfB Stuttgart. Die Woche zuvor gab’s ein müdes 0:0 im Heimspiel gegen den Hannoverschen Sportverein von 1896, eigentlich der unbedeutendere, „kleinere“ HSV aus dem Norden. Zurück zum berühmten HSV aus Hamburg: Die einzige Mannschaft, die der Ersten Bundesliga von Anbeginn (seit 1963) angehört. Sechsmal wurde der HSV schon deutscher Meister. 1983 gewann das Team sogar den Europapokal der Landesmeister im Finale gegen Juventus Turin. 1987 holten die Hamburger ihren dritten DFB-Pokal. Und seitdem: Gar nichts mehr.

Schon klar, schlimmer geht’s immer. Ruhmreiche Vereine wie Borussia Mönchengladbach, der 1. FC Köln, die Frankfurter Eintracht oder der 1. FC Kaiserslautern sind wiederholt abgestiegen und mussten in der zweiten Liga spielen. Aber bei den Aufstiegen in Liga 1 wurden bei den Anhängern dieser Clubs Glücksgefühle freigesetzt, die jüngeren HSV-Fans vermutlich völlig fremd sind. Zudem mussten vor allem Eintracht Frankfurt und der 1. FC Kaiserslautern in den vergangenen 15 Jahren um das finanzielle Überleben fürchten. Existenzkampf pur. Das kennen sie beim wohlhabenden Hamburger SV nicht. Langeweile dafür umso besser. Der HSV hofft Saison für Saison auf den großen Wurf. Jetzt müssen sie sich mächtig anstrengen, um zumindest noch Platz 5 zu erreichen, der zur Teilnahme am Europapokal berechtigt. Und das mit einem teuren Kader, zu dem zahlreiche Nationalspieler und sogenannte Stars gehören.

Der 1. FC Köln hat eigentlich nur einen Star: Lukas „Prinz Poldi“ Podolski. Der stieg mit dem rheinländischen Traditionsverein schon einmal vor sieben Jahren ab. Nach der desolaten Vorstellung der Kölner am Sonntag (1:4 gegen Wolfsburg) sieht es nach einer Wiederholung aus. Vor der Partie in Wolfsburg gab der beliebte Trainer Frank Schaefer bekannt, dass er nach der Saison freiwillig auf den Cheftrainer-Posten verzichtet. Sportdirektor Volker Finke soll zumindest mitverantwortlich dafür sein, dass Schaefer aufgibt. Unter anderem, weil er sich in die Arbeit des Trainers einmischte. Wozu das führt, wenn der Abschied eines Trainers vorzeitig feststeht, haben in dieser Saison schon mehrere Vereine vorgemacht. Etwa der FC Bayern München mit dem erst entmachteten und später gefeuerten Louis van Gaal. Und, Überraschung, der Hamburger SV, bei dem Armin Veh seinen Abschied zum Saisonende ankündigte – bevor er gefeuert wurde.

Johannes Göbel

Die Ergebnisse des 31. Spieltags:
SC Freiburg – Hannover 96 1:3
FC Schalke 04 – 1. FC Kaiserslautern 0:1
Bayer Leverkusen – 1899 Hoffenheim 2:1
VfB Stuttgart – Hamburger SV 3:0
Eintracht Frankfurt – Bayern München 1:1
FC St. Pauli – Werder Bremen 1:3
Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund 1:0
VfL Wolfsburg – 1. FC Köln 4:1
1. FC Nürnberg – 1. FSV Mainz 05 0:0

Tabelle:
1 Borussia Dortmund 69 P
2 Bayer Leverkusen 64 P
3 Hannover 96 57 P
4 Bayern München 56 P
5 1. FSV Mainz 05 49 P
6 1. FC Nürnberg 47 P
7 Hamburger SV 43 P
8 SC Freiburg 41 P
9 1899 Hoffenheim 40 P
10 FC Schalke 04 40 P
11 Werder Bremen 38 P
12 1. FC Kaiserslautern 37 P
13 VfB Stuttgart 36 P
14 1. FC Köln 35 P
15 Eintracht Frankfurt 34 P
16 VfL Wolfsburg 32 P
17 Borussia Mönchengladbach 29 P
18 FC St. Pauli 29 P

Bookmark and Share

The Bundesliga is like a box of chocolates…

Professional footballers have a lot in common with children – well, at least the FC Bayern boys do in any case. On the one hand, they’re unpredictable, moody, and have real difficulty concentrating on one thing for 90 minutes, as shown by their poor 1:1 performance against a much weaker Nuremberg side last week. Then again, just like children, they can be fresh, creative and full of innocent pleasure, which is what the Bayern team was like yesterday as they stormed to a 5:1 win over Bayer Leverkusen.

As far as the club bigwigs around President Uli Hoeneß are concerned, the reason FC Bayern had been more disappointing childish than pleasantly childlike to date was the strict coaching style of the recently-departed Louis van Gaal (who actually makes his daughters call him “Sir”, but that’s another matter altogether…). One thing that would seem to bear this out is the fact that, compared to van Gaal’s harsh and exacting teaching style, replacement coach Andries Jonker is something of a woolly, “call me Andries”-style pedagogue whose hands-off light-touch has seen Bayern turn things around and take apart supposed league contenders Leverkusen by a four-goal margin.

If you ask me, that’s the great thing about the Bundesliga: you really do never know what you’re going to get. Just look at Wolfsburg; on paper, it is the second most expensive team in the league, and yet they are currently playing in a desperate attempt to avoid relegation. Their comrades in arms in the fight against the drop are, however, St. Pauli, who field what is probably the cheapest squad in the league. So all bets where off this weekend as the two sides clashed. With all that cash going around, plus the home advantage and the new coach Felix Magath, who has a strong track record as both a championship winner and saver of teams in danger of relegation, you might have thought that Wolfsburg was a dead cert to win and pull themselves out of the relegation zone. In the end, though, they only managed a lucky 2:2 draw against their underfinanced rivals – and it would have been a loss without that saved-by-the-bell equaliser in the 89th minute. It would be interesting to see what happens if Wolfsburg really do get relegated, making them the most expensive second-league side ever. Then again, they might be forced to downsize if sponsors Volkswagen withdraw their financial support, without which the team would never have gotten anywhere near the Bundesliga in any case. I’m not sure how well they’d deal with relegation at all.

If Pauli drop though, that won’t be so much of a problem for the side: shuttling between the top and the second league is, after all, what Pauli do best. Even stinging from relegation, Pauli fans will still have something to toast in a few weeks anyway, since they achieved their main goal of beating city rivals Hamburger SV back in February. In any case, what will really hurt this cult club near Hamburg’s famous Reeperbahn will be the end of coach Holger Stanislawski’s 18-year career there. Starting as a player, then manager and now working as a coach, Stanislawski is a Pauli-legend – but a legend who is seeking pastures new, most probably down south at TSG 1899 Hoffenheim. I’m not sure whether it’s the right move for him, though, because – just like the Wolfsburg side who Pauli put to shame this weekend – Hoffenheim is a team in the pocket of big-business: Dietmar Hopp, founder of software giant SAP, is trying to turn money into football success; but the Bundesliga remains just like a box of chocolates…

Johannes Göbel

Results match day 30:
1. FSV Mainz 05 – Borussia Möchengladbach 1:0
Hamburger SV – Hannover 96 0:0
VfL Wolfsburg – FC St. Pauli 2:2
1899 Hoffenheim – Eintracht Frankfurt 1:0
1. FC Köln – VfB Stuttgart 1:3
1. FC Kaiserslautern – 1. FC Nürnberg 0:2
Werder Bremen – FC Schalke 04 1:1
Bayern München – Bayer Leverkusen 5:1
Borussia Dortmund – SC Freiburg 3:0

Table:
1 Borussia Dortmund 69 P
2 Bayer Leverkusen 61 P
3 Bayern München 55 P
4 Hannover 96 54 P
5 1. FSV Mainz 05 48 P
6 1. FC Nürnberg 46 P
7 Hamburger SV 43 P
8 SC Freiburg 41 P
9 1899 Hoffenheim 40 P
10 FC Schalke 04 40 P
11 Werder Bremen 35 P
12 1. FC Köln 35 P
13 1. FC Kaiserslautern 34 P
14 VfB Stuttgart 33 P
15 Eintracht Frankfurt 33 P
16 VfL Wolfsburg 29 P
17 FC St. Pauli 29 P
18 Borussia Mönchengladbach 26 P

Bookmark and Share

Wundertüte Bundesliga: Man weiß nie, was man bekommt

Fußballprofis sind wie Kinder. Zumindest die Jungs vom FC Bayern München. Unberechenbar, launisch und oft unfähig, sich 90 Minuten auf etwas zu konzentrieren. So präsentierte sich der deutsche Rekordmeister zuletzt beim blamablen 1:1 gegen Nürnberg am 29. Spieltag. Herzerfrischend, kreativ und voll kindischer Spielfreude war dagegen der 5:1-Auftritt gegen Bayer Leverkusen am gestrigen Sonntag. Glaubt man der Bayern-Führungsriege um Präsident Uli Hoeneß war am zuvor so oft enttäuschenden Auftritt der Millionärstruppe vor allem der gestrenge Trainer Louis van Gaal schuld. (Van Gaal lässt sich übrigens von seinen Töchtern siezen, aber das nur am Rande.) Zum 30. Spieltag versuchten es die Münchner erstmals mit dem Kuschelpädagogen Andries Jonker als Cheftrainer und siehe da: Schon wurde der vermeintliche Meisterschaftskandidat Leverkusen demontiert.

Aber das ist ja das schöne an der Wundertüte Bundesliga: Man weiß nie genau, was man bekommt. Das Phänomen kennen sie auch in Wolfsburg. Die wohl zweitteuerste Mannschaft der Liga spielt völlig verdient gegen den Abstieg. Wie auch die wohl günstigste Truppe der Liga: der FC St. Pauli. Also: Die beiden punktgleichen Teams trafen am vergangenen Samstag aufeinander. Wolfsburg hat ein Heimspiel und seit kurzem mit Felix Magath einen der wenigen Trainer, die sowohl einen Ruf als Meistermacher wie auch als Retter im Abstiegskampf haben. Gar nicht mal schlechte Voraussetzungen für Wolfsburg, endlich mit dem Abstiegskampf Ernst zu machen. Stattdessen schaffen sie gerade einmal ein glückliches 2:2 – durch ein Ausgleichstor in der 89. Minute. Wenn die Wolfsburger tatsächlich absteigen sollten, wäre das natürlich interessant. Wird das dann die teuerste Zweitligamannschaft aller Zeiten? Pumpt der Volkswagen-Konzern weiterhin so viel Geld in einen Verein, der es ohne die Autobauer vermutlich niemals in die Erste Bundesliga geschafft hätte? Abwarten.

Beim FC St. Pauli werden Sie den Abstieg verkraften, so viel ist sicher. Das ständige Auf und Ab gehört praktisch zur Identität des Kultclubs vom Hamburger Kiez. Und wenn sie am Ende der Saison tatsächlich in die zweite Liga müssen, können sie trotzdem behaupten, das große Saisonziel erreicht zu haben: Der Stadtrivale Hamburger SV wurde bereits im Februar besiegt. Deutlich härter als der Gang in Liga 2 dürfte St. Pauli ohnehin der Abschied von Trainer Holger Stanislawski treffen. Der ist seit 1993 im Verein. Zuerst als Spieler, dann als Vizepräsident und Manager und schließlich als Coach. Eine Legende. Stanislawski wird jetzt höchstwahrscheinlich neuer Cheftrainer bei der TSG 1899 Hoffenheim. Für Fußball-Laien: Das ist ein ziemlich ähnlicher Verein wie der VfL Wolfsburg, nur dass Hoffenheim vom Milliardär Dietmar Hopp, Gründer der Software-Firma SAP, mit Geld aufgepumpt wurde. Ob sich Stanislawski mit solch einem Wechsel einen Gefallen tut?

Johannes Göbel

Die Ergebnisse des 30. Spieltags:
1. FSV Mainz 05 – Borussia Möchengladbach 1:0
Hamburger SV – Hannover 96 0:0
VfL Wolfsburg – FC St. Pauli 2:2
1899 Hoffenheim – Eintracht Frankfurt 1:0
1. FC Köln – VfB Stuttgart 1:3
1. FC Kaiserslautern – 1. FC Nürnberg 0:2
Werder Bremen – FC Schalke 04 1:1
Bayern München – Bayer Leverkusen 5:1
Borussia Dortmund – SC Freiburg 3:0

Tabelle:
1 Borussia Dortmund 69 P
2 Bayer Leverkusen 61 P
3 Bayern München 55 P
4 Hannover 96 54 P
5 1. FSV Mainz 05 48 P
6 1. FC Nürnberg 46 P
7 Hamburger SV 43 P
8 SC Freiburg 41 P
9 1899 Hoffenheim 40 P
10 FC Schalke 04 40 P
11 Werder Bremen 35 P
12 1. FC Köln 35 P
13 1. FC Kaiserslautern 34 P
14 VfB Stuttgart 33 P
15 Eintracht Frankfurt 33 P
16 VfL Wolfsburg 29 P
17 FC St. Pauli 29 P
18 Borussia Mönchengladbach 26 P

Bookmark and Share

War is too important to be left to the generals

The 29th match day of this Bundesliga season was a day of big-name duels. There was Frankfurt-Bremen, Stuttgart-Kaiserslautern and Mönchengladbach-Cologne, all of which were fights between relegation candidates – the latter, of course, was also something of a local Rhineland derby.

There was the Bavarian derby duel, too, with Munich up against Nuremberg. Attention was focussed pretty much exclusively on Bayern’s president Uli Hoeneß, though, who had had a real go at the club’s own fans last week after they gave him some flak for wanting to save TSV 1860, the other Munich club.

Nevertheless, all of this was nothing except window dressing for the biggest and most explosive duel of all: coach Felix Magath against his former employers at FC Schalke 04. Just 24 days after they sent him packing, he returned to the Gelsenkirchen stadium with his new team, VfL Wolfsburg. We waited excitedly to see whether Magath’s former players, most of whom were pretty happy to see the back of him, would use this opportunity to give him a real drubbing – and to see how the fans would react to this controversial coach.

Those of us waiting for fireworks, however, were disappointed by the match: whilst the rivalries and animosities were clearly present, there was no bad behaviour, no raving and ranting – just a simple 1:0 for Schalke.

Frankfurt-Bremen, too, was a pretty standard, by-the-numbers match which finished with a predictable 1:1, but the other two relegation duels were more interesting, with far higher scoresheet margins. Kaiserslautern scored an unexpected and very impressive 4:2 victory in Stuttgart, with striker Srdjan Lakic cutting a dashing figure after 10 weeks of drought.

Mönchengladbach, meanwhile, gave their local rivals Cologne a serious seeing to in the form of a 5:1 win, and showed that they still have some fight left in them – they’re now two points above the relegation spot and can suddenly see light at the end of the tunnel.

So those of us looking for fireworks had to keep all eyes on Bayern München and Uli Hoeneß, who only managed a 1:1 against FC Nürnberg due to goalie Thomas Kraft messing up; this is not the kind of mediocre play that is going to secure them a place in the Champions League and put the record holders for the most Bundesliga titles behind Hannover 96 in the table – and this led to coach Louis van Gaal having to take it hat.

And this is where the fireworks started, with Hoeneß working himself up into a lather when asked about Gaal’s departure at a press conference. Speaking about the Nuremberg match, he got quite hot under the collar about what he saw as an unnecessary change of goalkeeper from Hans-Jörg Butt to Thomas Kraft: “That’s where the shit really started to hit the fan”, he shouted into the assembled microphones and camera lenses, going on to explain how this was just the latest in a series of mess-ups on van Gaal’s part and that the Board now saw no other way than to let him go. The general discomfort in the team, according to Hoeneß, came from the changes in the goal, whilst he also criticised van Gaal for making training a joyless, jumping-through-hoops kind of affair and de-motivating the team.

It went on and on like this, and it was an unseemly sight: Hoeneß is on top and van Gaal is on the floor, and Hoeneß just keeps on kicking him. If I were Thomas Kraft, this kind of behaviour would make me rather anxious to find myself a new employer for next season, because he is no-doubt next on Hoeneß, er, shit list. My guess: They’ve already signed Schalke’s Manuel Neuer, who also plays in goal on the German national team, and the ink on the contracts is long dry, so that is probably why Hoeneß saw van Gaal’s tinkering with the goal as completely unnecessary and a sign that he had to go.

What can we learn from all this unpleasantness and unemployment? Well, I’d say it’s clear that the days of the four-star football coach general are now counted. The high-powered types who send communiqués to their teams via assistants rather than getting splattered with mud in the dug outs are on their way into the history books, shown by van Gaal’s failure, but also by Felix Magath, whose change to Wolfsburg is the start of his descent into irrelevance. The successful coaches in the Bundesliga are guys like Jürgen Klopp at Dortmund, generals who lead from the front.

Results match day 29:
Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 1:1
FC Schalke 04 – VfL Wolfsburg 1:0
Hamburger SV – Borussia Dortmund 1:1
SC Freiburg – 1899 Hoffenheim 3:2
Hannover 96 – 1. FSV Mainz 05 2:0
1. FC Nürnberg – Bayern München 1:1
VfB Stuttgart – 1. FC Kaiserslautern 2:4
Borussia Mönchengladbach – 1. FC Köln 5:1
Bayer Leverkusen – FC St. Pauli 2:1

Table:
1 Borussia Dortmund 66 P
2 Bayer Leverkusen 61 P
3 Hannover 96 53 P
4 Bayern München 52 P
5 1. FSV Mainz 05 45 P
6 1. FC Nürnberg 43 P
7 Hamburger SV 42 P
8 SC Freiburg 41 P
9 FC Schalke 04 39 P
10 1899 Hoffenheim 37 P
11 1. FC Köln 35 P
12 1. FC Kaiserslautern 34 P
13 Werder Bremen 34 P
14 Eintracht Frankfurt 33 P
15 VfB Stuttgart 30 P
16 VfL Wolfsburg 28 P
17 FC St. Pauli 28 P
18 Borussia Mönchengladbach 26 P

Bookmark and Share

Die Zeit der Generäle ist vorbei. Alles klar mit Neuer?

Brisante Zweikämpfe standen am 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga auf dem Plan. Die Abstiegsduelle Frankfurt gegen Bremen, Stuttgart gegen Kaiserslautern und Mönchengladbach gegen Köln sollten die Frage erhellen, wer in fünf Wochen absteigen muss. Letzteres als Derby benachbarter Konkurrenten.

Auch Bayern München trat zum Derby an. Beim Club aus Nürnberg. Im Fokus stand Bayerns Präsident Uli Hoeneß. Den hatten Teile der eigenen Fans am vorletzten Wochenende heftig beschimpft, weil er den Stadtrivalen TSV 1860 retten möchte. Hoeneß im Blickfeld – aber anders als gedacht.

Überstrahlt wurden alle Bundesligapartien vom brisanten Wiedersehen des FC Schalke 04 und seines Ex-Trainers Felix Magath. Der kehrte 24 Tage nach seiner Beurlaubung mit dem VfL Wolfsburg als Coach nach Gelsenkirchen zurück. Würden die Schalker Spieler, die Magath alles Schlechte beim Abschied wünschten, wutschnaubend Magaths Wölfe vom Hof jagen? Wie würde der Empfang der Schalke-Fans für Magath ausfallen, der die Anhängerschaft tief gespalten hatte?

Nun, das Schalke-Spiel hielt in Sachen Brisanz nicht das, was ich erwartet hatte. Natürlich gab es Rivalitäten und Animositäten. Aber Ausfälle irgendeiner Art gab es nicht. Die Schalker gewannen einfach 1:0.

Auch Frankfurt gegen Bremen brachte keinen Aufreger und endete mit einem müden 1:1. Doch in zwei Abstiegsduellen gab es deutliche Siege. Kaiserslautern gewann überraschend 4:2 in Stuttgart und feierte die Auferstehung von Stürmer Srdjan Lakic, der nach zehn Wochen Torflaute endlich wieder die Kiste traf.

Mönchengladbach demütigte den Derbyrivalen Köln mit einem 5:1 und sendet letzte Notsignale im Kampf gegen den Abstieg. Zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz lassen das Unvermeidliche plötzlich abwendbar erscheinen.

Für den Knalleffekt des Spieltags sorgte jedoch Uli Hoeneß bei Bayern München. Die Münchener kamen beim 1. FC Nürnberg nur zu einem 1:1, weil Jung-Torwart Thomas Kraftmpatzte. Zu wenig für die Champions League-Ambitionen des Rekordmeisters, der wieder Hannover 96 in der Tabelle an sich vorbeiziehen lassen muss. Das hatte Konsequenzen. Trainer Louis van Gaal wurde rausgeschmissen.

In der Begründung lief Vereinspräsident Hoeneß zur Hochform auf. In aggressivem Ton begründete er van Gaals Ende. Hoeneß ließ auf der Pressekonferenz verlauten, mit dem aus seiner Sicht unnötigen Torwartwechsel von Hans-Jörg Butt zu Thomas Kraft wäre „die Scheiße“ losgegangen. Nach einer Kette von Fehlern des Trainers habe der Vorstand handeln müssen. Die allgemeine Verunsicherung der Mannschaft habe ihren Ursprung im Tor. Die Spieler hatten außerdem Probleme mit van Gaal, der keinen Spaß mehr vermitteln konnte.

Nachtreten in Reinform. Von einem, der am längeren Hebel sitzt. Und Thomas Kraft sollte sich dringend nach einem neuen Verein für die nächste Saison umsehen. Eine Zukunft wird er in München, nach meiner Meinung, nicht mehr haben. Vielmehr erscheint logisch, dass die Verpflichtung des Schalker Nationaltorhüters Manuel Neuer zur neuen Saison schon seit dem Winter unter Dach und Fach ist. Hoeneß deshalb eine Torhüterdiskussion Butt oder Kraft für völlig unnötig hielt und es ein Fehler van Gaals war, dieses Torhüterthema überhaupt in den Fokus gestellt zu haben.

Und noch etwas anderes zeigt diese Entlassung. Die Zeit der Generäle ist vorbei. Herrische Diktatoren, die ihre Spieler wie Untertanen behandeln, Trainer die nur über ihre Assistenten mit der Mannschaft kommunizieren, haben ausgedient. Das trifft auf van Gaal zu, aber auch auf Felix Magath, der sich für mich mit dem Wolfsburg-Engagement auf dem absteigenden Ast befindet. Kooperative Mannschaftsführung á la Klopp ist das Zeichen der Zeit.

Die Ergebnisse des 29. Spieltags:
Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 1:1
FC Schalke 04 – VfL Wolfsburg 1:0
Hamburger SV – Borussia Dortmund 1:1
SC Freiburg – 1899 Hoffenheim 3:2
Hannover 96 – 1. FSV Mainz 05 2:0
1. FC Nürnberg – Bayern München 1:1
VfB Stuttgart – 1. FC Kaiserslautern 2:4
Borussia Mönchengladbach – 1. FC Köln 5:1
Bayer Leverkusen – FC St. Pauli 2:1

Tabelle:
1 Borussia Dortmund 66 P
2 Bayer Leverkusen 61 P
3 Hannover 96 53 P
4 Bayern München 52 P
5 1. FSV Mainz 05 45 P
6 1. FC Nürnberg 43 P
7 Hamburger SV 42 P
8 SC Freiburg 41 P
9 FC Schalke 04 39 P
10 1899 Hoffenheim 37 P
11 1. FC Köln 35 P
12 1. FC Kaiserslautern 34 P
13 Werder Bremen 34 P
14 Eintracht Frankfurt 33 P
15 VfB Stuttgart 30 P
16 VfL Wolfsburg 28 P
17 FC St. Pauli 28 P
18 Borussia Mönchengladbach 26 P

Bookmark and Share

All eyes on Christoph Daum

Christoph Daum’s return to Bundesliga football has grabbed the headlines and suddenly, the full heat of the media microscope is bearing down on him and his new employers, Eintracht Frankfurt.

So how will this famous motor-mouth do? He is known across Germany as a talented coach, beginning his meteoric career in Cologne, then progressing onto a head coaching job at Stuttgart. He was soon back on the Rhine, helping Leverkusen become a fixture as runner-up champions. At these dizzy heights, he almost made it to the top spot as national coach, but lost it all following a sleazy cocaine scandal, fleeing to Turkey and dropping off the radar here.

Unnoticed, however, he slipped back into German football in 2006 when Cologne were dawdling in the second division and, after another interlude in oriental parts, he has now reappeared unexpectedly in Frankfurt. Whilst Eintracht may have won their last game under now-former coach Michael Skibbe, their fear of being relegated got the better of them and their chairman Heribert Bruchhagen. Eintracht Frankfurt needed a new coach who would motivate the team and be able to communicate with them without misunderstandings, and in these two respects, Daum is their man. Nevertheless, there is no denying that Daum is desperate and that, for all he talks about being a “concept coach” and the exciting aspects of training the Eintracht team, this is simply the best he can do with his damaged brand name.

We all know that he’d really like to go back to the top end of the Bundesliga, to the Champions League team, but he just can’t – especially since the only team in this category in the Bundesliga at the moment is Bayern München, and as Klopp, Slomka and Dutt show, coaches with scratches on the paint of their professionality can only ever aspire to the middle-league and then try and bring these teams to the top.

Of course, the advantage of this is that the trainer can rehabilitate his reputation by leading an average team to the top of the league. So can Daum take Frankfurt into the international big leagues? Well, he’s done it before with Stuttgart and Leverkusen; but Frankfurt is another kettle of fish. They are likely candidates for relegation, and if they drop, Daum will drop them – he thinks a lot of himself and would not coach in the second division.

It was an odd twist of fate that his first game at Frankfurt was against Felix Magath coaching Wolfsburg: he is desperately trying to lead them back out of the danger zone after his surprise switch from Schalke a few weeks back.

In any case, after just eleven days, Daum has already progressed with Frankfurt to the extant that it wasn’t just perennial one-man-machine Theofanis Gekas who was able to score a goal, and Alexandar Meier actually took Eintracht into the lead against the Wolves, and after one of their players was sent off, it looked as if Frankfurt should take the match – but Wolfsburg’s Mandzukic equalised just before the final whistle, showing that the Wolves were actually better than Frankfurt, who disappointed despite early promise. Then again, a draw is better than a loss and this has helped Frankfurt distance itself from the relegation zone – and helped Daum to get his foot back in the Bundesliga door.

Results Matchday 28:
Bayern München – Borussia Mönchengladbach 1:0
Werder Bremen – VfB Stuttgart 1:1
Borussia Dortmund – Hannover 96 4:1
1. FSV Mainz 05 – SC Freiburg 1:1
1. FC Kaiserslautern – Bayer Leverkusen 0:1
1899 Hoffenheim – Hamburger SV 0:0
1. FC Köln – 1. FC Nürnberg 1:0
VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt 1:1

Table:
1 Borussia Dortmund 65 P
2 Bayer Leverkusen 58 P
3 Bayern München 51 P
4 Hannover 96 50 P
5 1. FSV Mainz 05 45 P
6 1. FC Nürnberg 42 P
7 Hamburger SV 41 P
8 SC Freiburg 38 P
9 1899 Hoffenheim 37 P
10 1. FC Köln 35 P
11 FC Schalke 04 33 P
12 Werder Bremen 33 P
13 Eintracht Frankfurt 32 P
14 1. FC Kaiserslautern 31 P
15 VfB Stuttgart 30 P
16 VfL Wolfsburg 28 P
17 FC St. Pauli 28 P
18 Borussia Mönchengladbach 23 P

Bookmark and Share

Alle Augen auf Christoph Daum

Christoph Daums Rückkehr in die Bundesliga hat für große Aufmerksamkeit gesorgt und das Medieninteresse auf den Trainer und seinen neuen Verein Eintracht Frankfurt gelenkt.

Wie schlägt sich der einstige Lautsprecher der Liga? Er ist eine schillernde deutsche Trainerfigur: in Köln einst debütiert, in Stuttgart Meistertrainer, Leverkusens Ruf als ewigen Zweiten zementiert, fast Bundestrainer geworden. Und nach der Kokainaffäre 2000 in die Türkei geflüchtet.

Nach einem Engagement in Kölns Zweitligazeit 2006 und einem weiteren Mal Türkei ist er jetzt wieder da. Sein Einstieg bei Eintracht Frankfurt kam überraschend. Die Eintracht hatte das letzte Match unter Michael Skibbe gewonnen. Doch die Abstiegsangst beflügelte die Suche des Vorsitzenden Heribert Bruchhagen nach einem Rettungsstrohhalm. Die Eintracht brauchte einen Motivator und Kommunikator. Das ist Daum sicherlich. Und das neue Etikett „Konzepttrainer“ will er auch auf sich angewendet wissen. Andererseits, mehr als Eintracht Frankfurt ist für Daum und seinen Ruf auch nicht mehr drin.

Bei einem Topklub mit Champions League-Garantie arbeiten? Ausgeschlossen. Das wäre in Deutschland ohnehin nur Bayern München. Die Fälle Klopp, Slomka oder Dutt zeigen: Trainer ohne die höchste Reputation müssen im Bundesligamittelmaß ein Team finden, aufbauen und entwickeln. Sodann hoffen, dass sie dieses zu höchsten Weihen führen. Gelingt das, ist damit auch des Trainers persönlicher Aufstieg verbunden.

Mit der Eintracht nach oben ins internationale Geschäft klettern? Verlockend für Daum und auch seine einzige Chance. Mit Stuttgart und Leverkusen hat er es schon vorgemacht. Doch ist das in Frankfurt realistisch? Der Abstieg droht. Wenn der Schuss nach hinten losgeht, ist Daum weg. Denn er hält sich für zu gut für die zweite Liga.

Pikant, dass er in seinem ersten Spiel als Eintracht-Trainer auf Felix Magath traf, den anderen Übungsleiter, der durch seinen Blitzwechsel von Schalke nach Wolfsburg für Aufsehen in der Bundesliga sorgte. Magath soll die darniederliegende VW-Betriebsmannschaft generalüberholen.

Christoph Daum hat es in seiner elftägigen Arbeit mit der Mannschaft immerhin schon geschafft, dass auch mal ein anderer Spieler als immer nur Theofanis Gekas das Tor trifft. Alexander Meier brachte die Eintracht in Wolfsburg in Führung. Doch der gelang es trotz 20-minütiger Überzahl nach gelb-roter Karte gegen Wolfsburgs Friedrich nicht, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Mandzukic gelang kurz vor Schluss der verdiente Ausgleich. Wolfsburg war drückend überlegen, Frankfurt enttäuschte spielerisch. Dennoch nutzt das Unentschieden der Eintracht. Denn sie hält Abstand zu den Abstiegsrängen und so Christoph Daum die Chance offen, wieder richtig in der Bundesliga Fuß zu fassen.

Die Ergebnisse des 28. Spieltags:
Bayern München – Borussia Mönchengladbach 1:0
Werder Bremen – VfB Stuttgart 1:1
Borussia Dortmund – Hannover 96 4:1
1. FSV Mainz 05 – SC Freiburg 1:1
1. FC Kaiserslautern – Bayer Leverkusen 0:1
1899 Hoffenheim – Hamburger SV 0:0
1. FC Köln – 1. FC Nürnberg 1:0
VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt 1:1
FC St. Pauli – FC Schalke 04 beim Stand von 0:2 wegen Attacke auf Linienrichter abgebrochen

Tabelle:
1 Borussia Dortmund 65 P
2 Bayer Leverkusen 58 P
3 Bayern München 51 P
4 Hannover 96 50 P
5 1. FSV Mainz 05 45 P
6 1. FC Nürnberg 42 P
7 Hamburger SV 41 P
8 SC Freiburg 38 P
9 1899 Hoffenheim 37 P
10 1. FC Köln 35 P
11 FC Schalke 04 33 P
12 Werder Bremen 33 P
13 Eintracht Frankfurt 32 P
14 1. FC Kaiserslautern 31 P
15 VfB Stuttgart 30 P
16 VfL Wolfsburg 28 P
17 FC St. Pauli 28 P
18 Borussia Mönchengladbach 23 P

Bookmark and Share