Brisante Zweikämpfe standen am 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga auf dem Plan. Die Abstiegsduelle Frankfurt gegen Bremen, Stuttgart gegen Kaiserslautern und Mönchengladbach gegen Köln sollten die Frage erhellen, wer in fünf Wochen absteigen muss. Letzteres als Derby benachbarter Konkurrenten.
Auch Bayern München trat zum Derby an. Beim Club aus Nürnberg. Im Fokus stand Bayerns Präsident Uli Hoeneß. Den hatten Teile der eigenen Fans am vorletzten Wochenende heftig beschimpft, weil er den Stadtrivalen TSV 1860 retten möchte. Hoeneß im Blickfeld – aber anders als gedacht.
Überstrahlt wurden alle Bundesligapartien vom brisanten Wiedersehen des FC Schalke 04 und seines Ex-Trainers Felix Magath. Der kehrte 24 Tage nach seiner Beurlaubung mit dem VfL Wolfsburg als Coach nach Gelsenkirchen zurück. Würden die Schalker Spieler, die Magath alles Schlechte beim Abschied wünschten, wutschnaubend Magaths Wölfe vom Hof jagen? Wie würde der Empfang der Schalke-Fans für Magath ausfallen, der die Anhängerschaft tief gespalten hatte?
Nun, das Schalke-Spiel hielt in Sachen Brisanz nicht das, was ich erwartet hatte. Natürlich gab es Rivalitäten und Animositäten. Aber Ausfälle irgendeiner Art gab es nicht. Die Schalker gewannen einfach 1:0.
Auch Frankfurt gegen Bremen brachte keinen Aufreger und endete mit einem müden 1:1. Doch in zwei Abstiegsduellen gab es deutliche Siege. Kaiserslautern gewann überraschend 4:2 in Stuttgart und feierte die Auferstehung von Stürmer Srdjan Lakic, der nach zehn Wochen Torflaute endlich wieder die Kiste traf.
Mönchengladbach demütigte den Derbyrivalen Köln mit einem 5:1 und sendet letzte Notsignale im Kampf gegen den Abstieg. Zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz lassen das Unvermeidliche plötzlich abwendbar erscheinen.
Für den Knalleffekt des Spieltags sorgte jedoch Uli Hoeneß bei Bayern München. Die Münchener kamen beim 1. FC Nürnberg nur zu einem 1:1, weil Jung-Torwart Thomas Kraftmpatzte. Zu wenig für die Champions League-Ambitionen des Rekordmeisters, der wieder Hannover 96 in der Tabelle an sich vorbeiziehen lassen muss. Das hatte Konsequenzen. Trainer Louis van Gaal wurde rausgeschmissen.
In der Begründung lief Vereinspräsident Hoeneß zur Hochform auf. In aggressivem Ton begründete er van Gaals Ende. Hoeneß ließ auf der Pressekonferenz verlauten, mit dem aus seiner Sicht unnötigen Torwartwechsel von Hans-Jörg Butt zu Thomas Kraft wäre „die Scheiße“ losgegangen. Nach einer Kette von Fehlern des Trainers habe der Vorstand handeln müssen. Die allgemeine Verunsicherung der Mannschaft habe ihren Ursprung im Tor. Die Spieler hatten außerdem Probleme mit van Gaal, der keinen Spaß mehr vermitteln konnte.
Nachtreten in Reinform. Von einem, der am längeren Hebel sitzt. Und Thomas Kraft sollte sich dringend nach einem neuen Verein für die nächste Saison umsehen. Eine Zukunft wird er in München, nach meiner Meinung, nicht mehr haben. Vielmehr erscheint logisch, dass die Verpflichtung des Schalker Nationaltorhüters Manuel Neuer zur neuen Saison schon seit dem Winter unter Dach und Fach ist. Hoeneß deshalb eine Torhüterdiskussion Butt oder Kraft für völlig unnötig hielt und es ein Fehler van Gaals war, dieses Torhüterthema überhaupt in den Fokus gestellt zu haben.
Und noch etwas anderes zeigt diese Entlassung. Die Zeit der Generäle ist vorbei. Herrische Diktatoren, die ihre Spieler wie Untertanen behandeln, Trainer die nur über ihre Assistenten mit der Mannschaft kommunizieren, haben ausgedient. Das trifft auf van Gaal zu, aber auch auf Felix Magath, der sich für mich mit dem Wolfsburg-Engagement auf dem absteigenden Ast befindet. Kooperative Mannschaftsführung á la Klopp ist das Zeichen der Zeit.
Die Ergebnisse des 29. Spieltags:
Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 1:1
FC Schalke 04 – VfL Wolfsburg 1:0
Hamburger SV – Borussia Dortmund 1:1
SC Freiburg – 1899 Hoffenheim 3:2
Hannover 96 – 1. FSV Mainz 05 2:0
1. FC Nürnberg – Bayern München 1:1
VfB Stuttgart – 1. FC Kaiserslautern 2:4
Borussia Mönchengladbach – 1. FC Köln 5:1
Bayer Leverkusen – FC St. Pauli 2:1
Tabelle:
1 Borussia Dortmund 66 P
2 Bayer Leverkusen 61 P
3 Hannover 96 53 P
4 Bayern München 52 P
5 1. FSV Mainz 05 45 P
6 1. FC Nürnberg 43 P
7 Hamburger SV 42 P
8 SC Freiburg 41 P
9 FC Schalke 04 39 P
10 1899 Hoffenheim 37 P
11 1. FC Köln 35 P
12 1. FC Kaiserslautern 34 P
13 Werder Bremen 34 P
14 Eintracht Frankfurt 33 P
15 VfB Stuttgart 30 P
16 VfL Wolfsburg 28 P
17 FC St. Pauli 28 P
18 Borussia Mönchengladbach 26 P






