Christoph Daums Rückkehr in die Bundesliga hat für große Aufmerksamkeit gesorgt und das Medieninteresse auf den Trainer und seinen neuen Verein Eintracht Frankfurt gelenkt.
Wie schlägt sich der einstige Lautsprecher der Liga? Er ist eine schillernde deutsche Trainerfigur: in Köln einst debütiert, in Stuttgart Meistertrainer, Leverkusens Ruf als ewigen Zweiten zementiert, fast Bundestrainer geworden. Und nach der Kokainaffäre 2000 in die Türkei geflüchtet.
Nach einem Engagement in Kölns Zweitligazeit 2006 und einem weiteren Mal Türkei ist er jetzt wieder da. Sein Einstieg bei Eintracht Frankfurt kam überraschend. Die Eintracht hatte das letzte Match unter Michael Skibbe gewonnen. Doch die Abstiegsangst beflügelte die Suche des Vorsitzenden Heribert Bruchhagen nach einem Rettungsstrohhalm. Die Eintracht brauchte einen Motivator und Kommunikator. Das ist Daum sicherlich. Und das neue Etikett „Konzepttrainer“ will er auch auf sich angewendet wissen. Andererseits, mehr als Eintracht Frankfurt ist für Daum und seinen Ruf auch nicht mehr drin.
Bei einem Topklub mit Champions League-Garantie arbeiten? Ausgeschlossen. Das wäre in Deutschland ohnehin nur Bayern München. Die Fälle Klopp, Slomka oder Dutt zeigen: Trainer ohne die höchste Reputation müssen im Bundesligamittelmaß ein Team finden, aufbauen und entwickeln. Sodann hoffen, dass sie dieses zu höchsten Weihen führen. Gelingt das, ist damit auch des Trainers persönlicher Aufstieg verbunden.
Mit der Eintracht nach oben ins internationale Geschäft klettern? Verlockend für Daum und auch seine einzige Chance. Mit Stuttgart und Leverkusen hat er es schon vorgemacht. Doch ist das in Frankfurt realistisch? Der Abstieg droht. Wenn der Schuss nach hinten losgeht, ist Daum weg. Denn er hält sich für zu gut für die zweite Liga.
Pikant, dass er in seinem ersten Spiel als Eintracht-Trainer auf Felix Magath traf, den anderen Übungsleiter, der durch seinen Blitzwechsel von Schalke nach Wolfsburg für Aufsehen in der Bundesliga sorgte. Magath soll die darniederliegende VW-Betriebsmannschaft generalüberholen.
Christoph Daum hat es in seiner elftägigen Arbeit mit der Mannschaft immerhin schon geschafft, dass auch mal ein anderer Spieler als immer nur Theofanis Gekas das Tor trifft. Alexander Meier brachte die Eintracht in Wolfsburg in Führung. Doch der gelang es trotz 20-minütiger Überzahl nach gelb-roter Karte gegen Wolfsburgs Friedrich nicht, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Mandzukic gelang kurz vor Schluss der verdiente Ausgleich. Wolfsburg war drückend überlegen, Frankfurt enttäuschte spielerisch. Dennoch nutzt das Unentschieden der Eintracht. Denn sie hält Abstand zu den Abstiegsrängen und so Christoph Daum die Chance offen, wieder richtig in der Bundesliga Fuß zu fassen.
Die Ergebnisse des 28. Spieltags:
Bayern München – Borussia Mönchengladbach 1:0
Werder Bremen – VfB Stuttgart 1:1
Borussia Dortmund – Hannover 96 4:1
1. FSV Mainz 05 – SC Freiburg 1:1
1. FC Kaiserslautern – Bayer Leverkusen 0:1
1899 Hoffenheim – Hamburger SV 0:0
1. FC Köln – 1. FC Nürnberg 1:0
VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt 1:1
FC St. Pauli – FC Schalke 04 beim Stand von 0:2 wegen Attacke auf Linienrichter abgebrochen
Tabelle:
1 Borussia Dortmund 65 P
2 Bayer Leverkusen 58 P
3 Bayern München 51 P
4 Hannover 96 50 P
5 1. FSV Mainz 05 45 P
6 1. FC Nürnberg 42 P
7 Hamburger SV 41 P
8 SC Freiburg 38 P
9 1899 Hoffenheim 37 P
10 1. FC Köln 35 P
11 FC Schalke 04 33 P
12 Werder Bremen 33 P
13 Eintracht Frankfurt 32 P
14 1. FC Kaiserslautern 31 P
15 VfB Stuttgart 30 P
16 VfL Wolfsburg 28 P
17 FC St. Pauli 28 P
18 Borussia Mönchengladbach 23 P






